Wissenschaftler: Sport muss sich Menschen mit Behinderung anpassen

Wissenschaftler: Sport muss sich Menschen mit Behinderung anpassen
"Inklusion ist eine Verantwortung des Systems, nicht des Individuums", sagte Thomas Abel von der Deutschen Sporthochschule auf einem sportethischen Fachtag der EKD. Er sprach von einer "desaströsen Situation".

Frankfurt a.M. (epd). Der Sport muss sich nach den Worten des Kölner Professors Thomas Abel für die rechtlich garantierte Inklusion von Menschen mit Behinderung verändern. „Das System muss sich anpassen. Inklusion ist eine Verantwortung des Systems, nicht des Individuums“, sagte der Wissenschaftler der Deutschen Sporthochschule am Dienstag in Frankfurt am Main auf dem 8. Sportethischen Fachtag der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Deutschland habe mit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention 2009 die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen an der Gesellschaft als Menschenrecht festgeschrieben. Doch die Wirklichkeit sehe anders aus, sagte Abel: „Wir haben eine Situation, die desaströs ist.“ Der Zugang zum Sport für Behinderte scheine nicht gleichberechtigt gewährleistet zu sein. Menschen mit Behinderung hätten keine geringere Neigung zum Sport als Menschen ohne Behinderung, aber vergleichsweise wenige nähmen am Sport teil.

„Kein Betriebsunfall der Schöpfung“

Er plädierte dafür, Sportlehrerinnen und -trainer für Menschen ohne und mit Behinderung auszubilden. „Wir brauchen keine speziellen Trainer und Lehrpersonen für Sportler mit Behinderungen, sondern gut ausgebildete für alle“, sagte er. „Inklusion heißt: Vielfalt willkommen heißen.“

Der Theologe Johannes Eurich betonte: „Es gibt keine Minusvariante des Lebens.“ Alle Menschen hätten die gleiche Würde und Anteil an der gleichen Unvollkommenheit. Unterschiede sollten keine trennende Wirkung haben und keine absondernde Behandlung begründen, sagte der Direktor des Diakoniewissenschaftlichen Instituts an der Universität Heidelberg.

Nach biblischer Auffassung sei der Mensch Ebenbild Gottes. „Menschen mit Beeinträchtigung sind kein Betriebsunfall der Schöpfung“, unterstrich Eurich. Für den Sport müsse der Grundsatz gelten: „Teilhabe für alle, statt Selektion.“ Es gebe aber noch nicht genug inklusive Sportmöglichkeiten und Sportvereine.