Mainz (epd). Die große Reichweite auf Social-Media-Kanälen hat möglicherweise entscheidend zum relativen Wahlerfolg von AfD und Linken bei Jungwählern in Rheinland-Pfalz beigetragen. Viele junge Leute informierten sich fast ausschließlich über soziale Medien, sagte Noel Firmenich vom Landesjugendbeirat Rheinland-Pfalz am Montag in Mainz dem Evangelischen Pressedienst (epd). Andere Parteien hätten auf diesem Feld noch Nachholbedarf. Allerdings sei ein einseitiger Fokus auf emotional bewegende Inhalte auch nicht immer hilfreich, erklärte der Student und Chefredakteur des Jugendmedienprojekts „PolitikOrange“.
Bei der Landtagswahl am Sonntag war die AfD in der Gruppe der unter 25-jährigen Wählerinnen und Wählern mit einem Stimmanteil von 21 Prozent auf Platz eins gelandet. Die SPD folgte mit 19 Prozent auf dem zweiten Platz, wie der SWR unter Berufung auf das Meinungsforschungsinstitut infratest dimap berichtete. Die Linke konnte ihren Zuspruch bei jungen Wählern auf 16 Prozent vervierfachen und überholte die CDU (15 Prozent). Die Grünen brachen im Vergleich zur vergangenen Landtagswahl in der Wählergunst der jungen Altersgruppe um die Hälfte ein und landeten bei nur noch 10 Prozent.
Sozialkunde fällt häufig aus
Das Ergebnis zeige, wie divers die rheinland-pfälzische Jugend ihre Lebenswirklichkeit wahrnehme, sagte Firmenich. Der hohe Zuspruch für die AfD insbesondere bei jungen Männern mit eher niedrigem Bildungsniveau sei nicht nur in Rheinland-Pfalz zu beobachten. Diese Entwicklung deute auch auf Defizite in der Schule hin: „Oft hat der Raum für politische Bildung gefehlt, Sozialkundeunterricht fällt häufig aus.“ Die Linke habe auch mit ihrem Fokus auf das Thema bezahlbare Mieten punkten können. Gerade junge Wählerinnen und Wähler hätten Probleme damit, in den Städten die Miete für eine Wohnung zu bezahlen.
Den Absturz der Grünen beim Stimmenanteil unter den jungen Erwachsener könne man nicht damit begründen, dass deren Kernthemen wie Umwelt- und Klimaschutz nicht mehr wichtig genommen würden, sagte Firmenich. Eher gebe es Enttäuschung darüber, dass die Grünen in der Regierungsverantwortung nicht mehr erreichen konnten.
Viele junge Menschen fühlten grundsätzlich, dass ihre Anliegen von der Politik nicht wahrgenommen würden, machte Firmenich am Beispiel der Debatten um eine Rückkehr zur Wehrpflicht oder ein Social-Media-Verbot deutlich. Rheinland-Pfalz sei in dieser Hinsicht mit der Einrichtung eines bundesweit einmaligen Jugendbeirats ein positives Vorbild gewesen.



