Berlin (epd). Eine Gruppe von Abgeordneten mehrerer Fraktionen setzt sich im Bundestag für eine wissenschaftliche Beobachtung der Nutzung vorgeburtlicher Tests auf das Down-Syndrom ein. In einem Antrag fordern sie ein Expertengremium und ein Monitoring, um Aufklärung darüber zu erhalten, warum die Zahl der Anwendungen drastisch gestiegen ist. Der Test sollte nur in begründeten Einzelfällen zum Einsatz kommen, sagte die Grünen-Abgeordnete Simone Fischer am Freitag in Berlin. Die Realität sehe aber anders aus.
Deswegen brauche es mehr Zahlen und Fakten zur Nutzung, zur Beratung der Frauen und den Folgen, sagte Fischer. Bei den Tests wird das Blut der Schwangeren untersucht. Das Ergebnis gibt Auskunft über die Möglichkeit einer Trisomie 13, 18 oder 21 beim ungeborenen Kind.
Abgeordneten sehen Druck auf Schwangere
Früher war für eine Diagnose eine risikoreiche Fruchtwasseruntersuchung notwendig. Seit 2022 werden die Kosten für die Bluttests von den Krankenkassen übernommen. Sie kommen seitdem immer häufiger zum Einsatz. Der Antrag verweist auf Zahlen der Barmer, wonach er inzwischen bei fast jeder zweiten Schwangeren zur Anwendung kommt. Für eine sichere Diagnose bleibt die Fruchtwasseruntersuchung aber notwendig, der Test gibt nur Wahrscheinlichkeiten an.
Die von aktuell 109 Abgeordneten aus Union, SPD, Grünen und Linken unterstützte Gruppe fürchtet, dass durch eine Entwicklung der Tests zu einer Routineuntersuchung der Druck auf Schwangere steigt, ihn machen zu lassen und sich gegen ein möglicherweise behindertes Kind zu entscheiden. Der CSU-Abgeordnete Stephan Pilsinger (CSU) sprach von der Gefahr einer „Vorabselektion“.
Ergebnisse Mitte nächsten Jahres erwartet
Ziel des Antrags ist es, die Ergebnisse des Monitorings, die bis Mitte 2027 vorliegen sollen, bei der Frage nach Zulassung möglicher künftiger Gentests zu berücksichtigen. Die Anwendung des bestehenden Tests stellen die Abgeordneten nach eigenen Worten nicht infrage. Ihr Antrag wird im Bundestag in den Ausschüssen beraten, bevor er zur Abstimmung gestellt wird.



