"Sea-Watch 5" legt mit 57 Flüchtlingen auf Sizilien an

"Sea-Watch 5" legt mit 57 Flüchtlingen auf Sizilien an
Mehrere Tage hat die "Sea-Watch 5" mit den italienischen Behörden um einen Hafen für Dutzende im Mittelmeer gerettete Flüchtlinge gerungen. Nun haben die Seenotretter im sizilianischen Trapani angelegt.
18.03.2026
epd
Von Moritz Elliesen (epd)

Frankfurt a.M., Berlin (epd). Drei Tage nach der Rettung von mehr als 90 Flüchtlingen und Migranten im Mittelmeer hat die „Sea-Watch 5“ alle Überlebenden in Italien an Land gebracht. Das Schiff habe am Mittwochnachmittag im sizilianischen Trapani angelegt, sagte eine Sprecherin der Organisation Sea-Watch, die das Schiff betreibt, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Alle der noch an Bord verbliebenen 57 Überlebenden hätten das Schiff verlassen. Zuvor hatte die Schiffscrew den Notstand ausgerufen und dies mit einer „akuten medizinischen Notlage“ begründet.

Der Einfahrt in den Hafen auf der Mittelmeerinsel war ein Streit mit den italienischen Behörden vorausgegangen. Diese hatten dem Schiff zunächst den mehr als 1.100 Kilometer vom Rettungsort entfernten und deutlich weiter im Norden gelegenen Hafen Marina di Carrara zugewiesen, was die Crew aufgrund der großen Entfernung ablehnte. Die „Sea-Watch 5“ hatte seit Montag vor Sizilien ausgeharrt. Laut der Sea-Watch-Sprecherin wurde die Einfahrt in Trapani letztlich gewährt, allerdings mit dem Verweis, dass dies gegen das sogenannte Piantedosi-Dekret verstoße.

Infektionen und Treibstoffverbrennungen

Die „Sea-Watch 5“ hatte den Angaben zufolge am Sonntag 93 Flüchtlinge und Migranten in internationalen Gewässern gerettet. 36 der Überlebenden, darunter mehrere Minderjährige und ihre Angehörigen, wurden demnach bereits vor der Ankunft in Trapani evakuiert. Die zuletzt noch an Bord verbliebenen Überlebenden litten laut Sea-Watch unter anderem an Seekrankheit, Erschöpfung, fieberhaften Infektionen der Atemwege und Treibstoffverbrennungen. Diese müssten unter angemessenen klinischen Bedingungen behandelt werden, um Infektionen oder im schlimmsten Fall eine Sepsis zu verhindern, hieß es.

Zudem befand sich den Seenotrettern zufolge eine schwangere Frau an Bord. Das Anlaufen eines Hafens sei in dieser Situation die einzige Möglichkeit, ihr Grundrecht auf Leben zu schützen und die weitere Eskalation einer gesundheitlichen Krise abzuwenden, erklärte Sea-Watch am Mittag. Auf X schrieb die Organisation wenige Stunden später, die „Sea-Watch 5“ laufe jetzt in den Hafen von Trapani ein und „widersetzt sich damit den Anweisungen italienischer Behörden“.

Menschenrechtsbeauftragter mischt sich ein

Zuvor hatte der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Lars Castellucci (SPD), eine rasche Lösung angemahnt. Die „Sea-Watch 5“ müsse nach internationalem Seerecht den nächstgelegenen Hafen anlaufen können, erklärte Castellucci auf der Internetplattform X.

Das Mittelmeer zählt zu den gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Geflüchtete und Migranten stechen in häufig nicht seetauglichen Booten aus nordafrikanischen Ländern wie Libyen oder Tunesien in See, in der Hoffnung, Europa zu erreichen. Eine staatlich organisierte Rettungsmission gibt es nicht. Lediglich die Schiffe privater Seenotretter halten Ausschau nach in Not geratenen Menschen. Seit Beginn des Jahres kamen laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) 682 Menschen bei der Überfahrt ums Leben, oder sie werden vermisst.

Italien weist den Schiffen privater Seenotretter nach Rettungseinsätzen häufig weit entlegene Häfen zu. Bei Verstößen gegen solche Anweisungen werden die Schiffe immer wieder für mehrere Tage festgesetzt.