Magdeburg (epd). Bei dem Toten aus dem Kaisergrab im Magdeburger Dom handelt es sich mit großer Sicherheit um Otto den Großen (912-973). „Es passt auch genetisch perfekt“, sagte der Direktor des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt, Harald Meller, am Mittwoch in Magdeburg zur Vorstellung von Untersuchungsergebnissen: Alles spreche für Otto.
Aufgrund der notwendigen Sanierung des Steinsarkophags wurden im vergangenen Jahr die sterblichen Überreste freigelegt. Meller bezeichnete die Ergebnisse der anthropologischen und naturwissenschaftlichen Untersuchungen als „bahnbrechend“ und lobte die interdisziplinäre Forschungsarbeit.
Der Beauftragte der evangelischen Kirchen in Sachsen-Anhalt, Albrecht Steinhäuser, betonte, die wissenschaftlichen Untersuchungen an den Gebeinen seien „in vertrauensvoller Zusammenarbeit“ und enger Abstimmung mit der Kirche erfolgt. Dabei verwies er darauf, dass „die menschliche Würde nicht mit dem Tod erlischt“.
Zweiter Kaiser bestätigt
Meller und Harald Ringbauer vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, erklärten weiter, dass bei den Untersuchungen zu Otto dem Großen auch ein zweiter Kaiser in einer weiteren Grablege bestätigt wurde. Durch die genetische Untersuchung von Vergleichsproben aus dem Bamberger Dom seien dort zweifelsfrei die Überreste Heinrichs II. (973-1024) bestätigt worden. Demnach waren die beiden untersuchten Toten aus Magdeburg und Bamberg miteinander verwandt. So war Kaiser Heinrich II. der Enkel von Ottos jüngerem Bruder, Heinrich dem Zänker (951-995).
Eindrucksvolle Erscheinung
Schon wenige Tage nach Graböffnung hatten die Forscher im Juni vergangenen Jahres mitgeteilt, dass die Gebeine im Sarg auf einen älteren Mann etwa um die 60 Jahre schließen ließen. Zudem sei er mit etwa 1,80 Meter Größe für das Mittelalter überdurchschnittlich groß gewesen. Die interdisziplinären Untersuchungen hätten das exakt bestätigt. Durch Zahnbefund und Isotopen in den Knochen konnte zudem gefolgert werden, dass Otto überwiegend proteinreiche Kost, auch Süßwasserfische, zu sich genommen hat.
Zudem sei er körperlich fit gewesen und Reiter. Jedoch habe er auch Verletzungen aus Kämpfen oder von Stürzen gehabt, so fehlten ihm drei Schneidezähne und an der Speiche des linken Armes sei ein Bruch gut verheilt. Zudem litt er an Erkrankungen der Knie- und Hüftgelenke, hieß es.
Die Forscher fanden Belege dafür, dass Otto aufgrund eines Schlaganfalls gestorben sei. Das decke sich auch mit den historischen Quellen, die von einem plötzlichen Tod des Kaisers berichten.
Kaisergrab im Hohen Chor
Otto I., der bereits zu Lebzeiten „der Große“ genannt wurde, war ab 962 römisch-deutscher Kaiser. Im Jahr 937 gründete er in Magdeburg das Mauritiuskloster und ließ dieses zu einer prächtigen Kathedrale ausbauen. Dort wurden Otto und seine erste Frau Editha bestattet. Das Kaisergrab befindet sich heute im Hohen Chor des gotischen Doms.



