Sea-Watch ruft Notstand für Rettungsschiff aus

Sea-Watch ruft Notstand für Rettungsschiff aus
Dutzende Flüchtlinge und Migranten harren auf der "Sea-Watch 5" vor Sizilien aus. Aufgrund der medizinischen Notlage haben die Seenotretter nun den Notstand an Bord ausgerufen. Mahnende Worte kommen vom Menschenrechtsbeauftragten Castellucci.
18.03.2026
epd
Von Moritz Elliesen (epd)

Frankfurt a.M., Berlin (epd). Nach der Rettung von mehr als 90 Flüchtlingen und Migranten im Mittelmeer hat die „Sea-Watch 5“ den Notstand an Bord ausgerufen. Die Organisation Sea-Watch, die das Schiff unterhält, begründete den Schritt am Mittwoch mit der akuten medizinischen Notlage und der Verweigerung eines nahegelegenen sicheren Hafens durch die italienischen Behörden. Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Lars Castellucci (SPD), äußerte sich besorgt.

Die 57 noch an Bord befindlichen Überlebenden leiden Sea-Watch zufolge unter anderem an Seekrankheit, Erschöpfung und Treibstoffverbrennungen. Diese müssten unter angemessenen klinischen Bedingungen behandelt werden, um Infektionen oder im schlimmsten Fall eine Sepsis zu verhindern. Das Anlaufen eines Hafens sei in dieser Situation die einzige Möglichkeit, ihr Grundrecht auf Leben zu schützen und die weitere Eskalation einer gesundheitlichen Krise abzuwenden.

Bereits mehrere Überlebende evakuiert

Der Menschenrechtsbeauftragte Castellucci mahnte eine rasche Lösung an. Die „Sea-Watch 5“ müsse nach internationalem Seerecht den nächstgelegenen Hafen anlaufen können, erklärte Castellucci auf der Internetplattform X. Solange es keine funktionierende staatliche Seenotrettung gebe, „dürfen private Retter nicht an ihrer lebensrettenden Arbeit gehindert werden“.

Die „Sea-Watch 5“ hatte den Angaben zufolge am Sonntag 93 Flüchtlinge und Migranten in internationalen Gewässern gerettet. 36 der Überlebenden, darunter mehrere Minderjährige und ihre Angehörigen, seien bereits evakuiert worden, teilte die Seenotrettungsorganisation mit. Das Schiff liegt seit Montag vor der italienischen Mittelmeerinsel Sizilien. Die Behörden hätten der „Sea-Watch 5“ den Hafen Marina di Carrara im Norden des Landes zugewiesen, der mehr als 1.100 Kilometer vom Rettungsort entfernt liege. Die Fahrt über eine solch weite Strecke sei für die Überlebenden jedoch zu gefährlich.

Schwangere Frau an Bord

Laut Sea-Watch werden an Bord auch mehrere Menschen aufgrund von Asthma und fieberhaften Infektionen der Atemwege medizinisch betreut. Zudem sei eine schwangere Frau an Bord. Die Menschen hätten ein Recht auf Schutz und medizinische Versorgung - „und zwar jetzt“, sagte Chiara Milanese, Einsatzleiterin der „Sea-Watch 5“.

Das Mittelmeer zählt zu den gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Geflüchtete und Migranten stechen in häufig nicht seetauglichen Booten aus nordafrikanischen Ländern wie Libyen oder Tunesien in See, in der Hoffnung, Europa zu erreichen. Eine staatlich organisierte Rettungsmission gibt es nicht. Lediglich die Schiffe privater Seenotretter halten Ausschau nach in Not geratenen Menschen. Seit Beginn des Jahres kamen laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) 682 Menschen bei der Überfahrt ums Leben, oder sie werden vermisst. Italien weist den Schiffen privater Seenotretter nach Rettungseinsätzen häufig weit entlegene Häfen zu.