Berlin (epd). Der Rechtsextremismusforscher Matthias Quent hat vor negativen Auswirkungen des Einsatzes von Künstlicher Intelligenz (KI) im direkten Bürgerkontakt gewarnt. Das würde dazu beitragen, „dass die Gesellschaft weniger sozial, weniger menschlich, stärker entfremdet wird“, sagte der Soziologieprofessor an der Hochschule Magdeburg-Stendal dem Berliner „Tagesspiegel“ (Montag).
KI könne „die Ohnmacht gegenüber einem intransparenten System steigern“. Bisher werde viel zu wenig berücksichtigt, welche sozialen Folgen das haben könne, sagte der ehemalige Leiter des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft in Jena.
Ohnmacht und Einsamkeit
„Wir haben in unserer Gesellschaft jetzt schon ein großes Einsamkeitsproblem, das mit Entfremdung und Ohnmachtserfahrungen einhergeht“, sagte Quent. Das Bedürfnis nach emotionaler Zugehörigkeit und Identität könne die extreme Rechte sehr effektiv ausbeuten.
Mit Blick auf Ankündigungen aus der Politik, die schnelles Handeln und schnelle Erfolge versprechen, sagte Quent: „Werden Erwartungen geweckt, die man dann nicht erfüllen kann, erscheint die Ohnmacht noch mächtiger.“ Gebrochene Versprechungen seien immer „ein Beschleuniger von Verdruss“.
Steigende Verdrossenheit
Wenn Versprechungen von schnellen Veränderungen nicht erfüllt würden, „dann steigen Verdrossenheit und Frustration und damit auch die Tendenz zu autoritären Antworten, zur starken Hand, die endlich ohne Rücksicht handelt“. Quent betonte angesichts komplexer Krisen, dass „Verlangsamung durch demokratische Kontrolle wichtig ist“: „Alles lässt sich verändern, aber nicht sofort.“



