Kritik an gestoppter Erweiterung der Nationalbibliothek

Kritik an gestoppter Erweiterung der Nationalbibliothek
Rund 35,5 Millionen Medienwerke soll der geplante neue Leipziger Bibliotheksbau aufnehmen. Doch nun drückt der Kulturstaatsminister auf die Bremse.

Leipzig, Berlin (epd). Der Deutsche Bibliotheksverband hat die Entscheidung von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) kritisiert, den Erweiterungsbau der Deutschen Nationalbibliothek in Leipzig zu stoppen. Ein Zugang zu verlässlichem Wissen sei gerade in Zeiten von zunehmender Desinformation von herausragender Bedeutung, teilte der Verband am Freitag in Berlin mit. Für die Erfüllung dieses Auftrages brauche es sichere Planungsgrundlagen.

Es sei nicht nachzuvollziehen, dass die Bibliothek in Leipzig nun in eine ungeklärte Situation komme. Der Erweiterungsbau wurde seit 2018 von der Deutschen Nationalbibliothek (DNB) geplant und soll die Aufbewahrung von rund 35,5 Millionen Medienwerken für etwa 30 Jahre gewährleisten.

Sammlung soll digitaler werden

Über die Ablehnung Weimers hatte die Bibliothek am Donnerstagnachmittag informiert. Der Kulturstaatsminister habe seine Entscheidung damit begründet, dass die Sammlung gedruckter Werke nicht mehr zeitgemäß sei und sich die DNB auf digitale Sammlungen konzentrieren solle.

Die Vorschläge gingen jedoch an den rechtlichen Grundlagen vorbei, hieß es. Das aktuelle Gesetz sieht vor, dass jedes in Deutschland erschienene Druckwerk in zweifacher Ausführung von der DNB gesammelt werden müsse. Die Leipziger Bibliothek sei damit das kulturelle Gedächtnis und ein Speicher aller in Deutschland veröffentlichten Werke.

Auch der Deutsche Kulturrat kritisierte Weimers Vorgehen. Geschäftsführer Olaf Zimmermann erklärte: Der Erweiterungsbau werde dringend gebraucht. Zudem sei die Begründung der Ablehnung „höchst beunruhigend“.