Frankfurt a.M. (epd). Der Vorsitzende des Weltkirchenrats und ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat eine klare Haltung zum Krieg gegen den Iran. „Man muss kein Pazifist sein, um die ethische Fragwürdigkeit dieses Krieges zu erkennen“, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Gastbeitrag des früheren bayerischen Landesbischofs für das evangelische Magazin „chrismon“ (online). Selbst unter friedensethischen Kriterien, die militärische Gewalt nicht grundsätzlich ausschließen, sei dieser Krieg abzulehnen.
Mit Schmerz denke er an die mutigen Menschen im Iran, die für Freiheit und Menschenwürde kämpfen, schrieb Bedford-Strohm. Zugleich betonte er, dass ihr berechtigtes Ziel, ein Ende der Unterdrückung, auf einem anderen Weg erreicht werden müsse als durch Krieg. Daraus leitet der Theologe eine besondere Verantwortung gerade für die Gegner dieses Krieges ab, alle politischen Bemühungen zu unterstützen, die auf ein friedliches Zusammenleben in der Region zielen.
Bonhoeffer nicht instrumentalisieren
Bedford-Strohm warnte davor, den Krieg gegen den Iran mit Worten des NS‑Gegners und Pfarrers Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) zu rechtfertigen. Bonhoeffers Ethik, so der Weltkirchenrats‑Vorsitzende, ziehe enge Grenzen für jede Form militärischer Gewalt. Darin erkennt Bedford‑Strohm den Maßstab eines sogenannten Verantwortungspazifismus, der Gewalt immer als Schuld versteht und sie allenfalls in extremen Grenzfällen überhaupt zur Diskussion stellt.
Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) mit Sitz in Genf, auch als Weltkirchenrat bekannt, wurde 1948 gegründet. Er ist ein Zusammenschluss von mehr als 350 Mitgliedskirchen in mehr als 120 Ländern. Die katholische Kirche ist nicht Mitglied, arbeitet aber mit dem ÖRK zusammen. Der Zentralausschuss des Weltkirchenrates hatte Bedford-Strohm im September 2022 zum Vorsitzenden gewählt.


