Anerkennung der Jenischen macht bislang wenig Fortschritte

Anerkennung der Jenischen macht bislang wenig Fortschritte
Die Jenischen kämpfen in Deutschland um die Anerkennung als nationale Minderheit. Im Bundestag gibt es dafür Fürsprecher, aber noch keine konkreten Initiativen.

Berlin (epd). Das Bemühen der Jenischen um Anerkennung als nationale Minderheit in Deutschland macht bislang wenig Fortschritte. Im Bundestag gibt es dafür Befürworter, aber auch Zurückhaltung. „Aus meiner Sicht erfüllt die Minderheit der Jenischen alle Voraussetzungen für die Anerkennung als nationale Minderheit“, sagte die Grünen-Abgeordnete Filiz Polat dem Evangelischen Pressedienst (epd). Sie hält nach eigenen Worten eine fraktionsübergreifende Initiative aus dem Bundestag heraus für sinnvoll.

Zurückhaltender äußerte sich der SPD-Abgeordnete Helge Lindh. Er stehe einer erneuten Diskussion offen gegenüber, sagte er und ergänzte: „Eine solche Debatte kann jedoch keine Vorfestlegung in eine Richtung sein.“ Lindh verwies auf Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags, wonach die Jenischen die Kriterien für eine Anerkennung nicht erfüllen. „Gleichwohl ist uns bewusst, dass es in dieser Frage noch Forschungslücken gibt und sich der Stand entwickeln kann“, sagte Lindh.

Von Nationalsozialisten verfolgt

Die Jenischen sind eine ethnische Minderheit, die seit dem frühen Mittelalter in Europa beheimatet ist. Sie lebten als Fahrende wie Roma und Sinti, sind kaum bekannt. Nach Angaben ihres Zentralrats leben schätzungsweise 150.000 bis 200.000 Jenische in Deutschland. Von den Nationalsozialisten wurden die Jenischen als „Asoziale“ verfolgt, interniert und in Psychiatrien und Konzentrationslagern ermordet.

Die Jenischen kämpfen darum, wie Sorben, Friesen, Dänen sowie Sinti und Roma als nationale Minderheit anerkannt zu werden und damit Förderung für den Erhalt der Sprache und Kultur zu erhalten. Zu den Voraussetzungen gehört, dass die Minderheit eine eigene Sprache, Kultur und Geschichte hat. Im November hatte der Zentralrat der Jenischen eigene Gutachten vorgelegt, die das belegen sollen. In der Schweiz sind die Jenischen als Minderheit anerkannt.

Polat sagte, in einer pluralistischen Demokratie zeige sich Stärke darin, Minderheiten nicht zu übersehen, sondern sie einzubeziehen. Mit der Anerkennung seien keine Sonder-, sondern Schutzrechte verbunden. „Wer es ernst meint mit Menschenrechten, kultureller Vielfalt und Minderheitenschutz, sollte die Anerkennung der Jenischen unterstützen“, sagte sie.