Organisationen fordern Rekrutierungsstopp für Minderjährige

Organisationen fordern Rekrutierungsstopp für Minderjährige
Mehr als 230 Organisationen fordern Verteidigungsminister Pistorius auf, nicht länger Minderjährige als Soldaten zu rekrutieren. Die Bundeswehr sei eine der Armeen mit den meisten Soldaten unter 18 Jahren. Auch die Werbung an Schulen soll aufhören.

Osnabrück, Berlin (epd). Zahlreiche Organisationen haben Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) aufgefordert, die Rekrutierung von Jungen und Mädchen unter 18 Jahren als Soldatinnen und Soldaten zu stoppen. Ebenso sollte die Werbung für die Bundeswehr bei Minderjährigen unterlassen werden, schrieben sie in einem am Montag veröffentlichten Brief. Der Minister könne dies sofort durch eine Dienstanweisung umsetzen.

Der Brief wurde von 18 Organisationen und sechs Dachverbände mit mehr als 230 Mitgliedsorganisationen unterzeichnet. Darunter sind etwa Terre des Hommes, Deutsches Bündnis Kindersoldaten, Human Rights Watch, Deutsches Kinderhilfswerk, pax Christi und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Mehr als 3.000 17-Jährige rekrutiert

Im Jahr 2025 habe die Bundeswehr 3.131 Jungen und Mädchen im Alter von 17 Jahren als Soldatinnen und Soldaten rekrutiert, sagte Ralf Willinger von der Kinderrechtsorganisation Terre des Hommes. „Das ist ein trauriger neuer Höchstwert und ein Anstieg um 42 Prozent gegenüber dem Vorjahr.“ Jeder achte neu eingestellte Soldat war demnach minderjährig. Willinger ist auch Sprecher des Bündnisses „Unter 18 Nie! Keine Minderjährigen in der Bundeswehr“.

Damit sei die Bundeswehr eine der Armeen mit den meisten minderjährigen Soldatinnen und Soldaten weltweit. Nur wenige Armeen rekrutieren überhaupt noch Minderjährige, sagte Willinger. Die Minderjährigen müssten in der Bundeswehr zusammen mit Erwachsenen ein hartes militärisches Kampftraining an der Waffe durchlaufen.

Jugendliche oft Opfer sexueller Gewalt

Jedes Jahr werden Willinger zufolge viele der Jugendlichen zudem Opfer sexueller Gewalt, erlitten Unfälle und erkrankten psychisch. Das belegten Zahlen der Bundesregierung. Die Unterzeichner des Briefes kritisieren, dass zunehmend Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten als sogenannte Karriereberater an Schulen geschickt würden. Sie beeinflussten dort Schülerinnen und Schüler, sagte Martina Schmerr von der GEW.