Berlin (epd). Viele Wohlfahrtsorganisationen haben einer Umfrage zufolge in den vergangenen zwei Jahren Leistungen und Angebote einstellen oder einschränken müssen. Wegen Kostensteigerungen oder Kürzungen von Förderungen hätten 20 Prozent der befragten Verbände Angebote einstellen müssen, noch einmal 45 Prozent hätten kürzen müssen, teilte die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege am Mittwoch in Berlin mit. Rüdiger Schuch, Präsident der Diakonie Deutschland, kritisierte die Bundesregierung mit Blick auf diese Zahlen.
„Sparen am Sozialen ist mit die teuerste Form der Haushaltskonsolidierung, denn die gesellschaftlichen Folgekosten einer gespaltenen Gesellschaft sind unbezahlbar“, sagte Schuch dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (Donnerstag). Außerdem warnte er vor den Folgen der Kürzungen, denn „am Ende zahlen die Bedürftigen den Preis durch Leistungsabbau“.
Rückgang im Ehrenamt befürchtet
Der Rückgang bei den Angeboten sozialer Dienstleistungen trifft nach Einschätzung der befragten Verbände auf eine bereits bestehende Mangellage. 61 Prozent hielten das Angebot an sozialen Diensten vor Ort für nicht ausreichend. Weitere 36 Prozent schätzten es als „weitgehend ausreichend“ ein, nur 3 Prozent gaben an, das Angebot vor Ort reiche „voll und ganz“ aus. Schuch sagte dazu: „Mit rund 34.000 Angeboten und zehn Millionen Kontakten im Jahr wissen wir als Diakonie oft früher als jedes Ministerium, wo in Deutschland der Schuh drückt.“
82 Prozent der in der Studie befragten Einrichtungen rechneten damit, noch mehr Leistungen bald reduzieren oder ganz einstellen zu müssen. 67 Prozent erwarteten, dass in der Folge die Möglichkeiten zum ehrenamtlichen Engagement abnehmen werden. Auch Schuch warnte davor, hauptamtliche Stellen in der Wohlfahrtspflege aufgrund der Kürzungen durch ehrenamtliche ersetzen zu wollen: „Ohne professionelle Strukturen und Räume gibt es kein stabiles freiwilliges Engagement.“
Fast 3.600 Antworten ausgewertet
Die Bundesarbeitsgemeinschaft hatte zwischen November und Januar Einrichtungen und Dienste ihrer Mitgliedsverbände online befragt. Insgesamt fast 3.600 Antworten aus allen Bundesländern wertete sie aus. In der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege haben sich die Spitzenverbände von Hilfsorganisationen zusammengeschlossen. Mitglieder sind das Deutsche Rote Kreuz, die Arbeiterwohlfahrt, die Diakonie, die Caritas, der Paritätische Wohlfahrtsverband und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland.


