Oltmer: Schnellere Arbeitserlaubnis für Asylbewerber hat kaum Wirkung

Oltmer: Schnellere Arbeitserlaubnis für Asylbewerber hat kaum Wirkung
Der Migrationsforscher Jochen Oltmer hält die aktuelle Asylpolitik der Bundesregierung für wenig sinnvoll. Eine Erleichterung der Arbeitsaufnahme für Asylbewerber werde sich kaum auswirken. Kürzungen bei den Integrationskursen seien kontraproduktiv.
25.02.2026
epd
epd-Gespräch: Martina Schwager

Osnabrück (epd). Der Migrationsforscher Jochen Oltmer geht davon aus, dass die von der Bundesregierung geplante schnellere Arbeitsaufnahme für Asylbewerber kaum Wirkung entfalten wird. Die Menschen, die von der Neuregelung betroffen wären, wohnten vielfach in Erstaufnahme-Einrichtungen und könnten somit nur schwer Kontakt zu Firmen aufnehmen, sagte der Professor der Universität Osnabrück dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Zudem sind sie aufgrund ihres meist unsicheren Aufenthaltsstatus für Unternehmen wenig attraktiv.“

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) will, dass Asylbewerber künftig nach drei Monaten Aufenthalt in Deutschland arbeiten dürfen, auch wenn ihr Asylverfahren noch nicht abgeschlossen ist. Die ebenfalls von Dobrindt angekündigten Kürzungen bei den Integrationskursen hält Oltmer für kontraproduktiv. Aus seiner Sicht wäre es sinnvoll für die Integration und den Arbeitsmarkt, wenn alle Zuwanderer vom ersten Tag an in Deutschland kostenlose Sprach- oder Integrationskurse besuchen könnten.

Verhältnisse nach Kriegen bleiben instabil

Nach den Plänen des Bundesinnenministers sollen künftig nur noch Menschen, die einen gesicherten Aufenthaltsstatus in Deutschland haben, an kostenlosen Integrationskursen teilnehmen können. Häufig lebten selbst abgelehnte und geduldete Asylbewerber oder Bürgerkriegsflüchtlinge über viele Jahre oder dauerhaft in Deutschland, erläuterte Oltmer.

Die Beispiele Syrien und Ukraine zeigten, dass die Dauer von Kriegen und damit eine Rückkehr der Geflüchteten nicht absehbar sei, sagte der Historiker am Osnabrücker Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien. Zudem blieben die Verhältnisse auch nach Beendigung der Kriegshandlungen oft über eine ungewisse Zeit instabil.

Oltmer glaubt, dass die Kürzung bei den Integrationskursen auf die noch folgenden Verschärfungen in der Asylpolitik vorbereiten soll. Im Laufe des Jahres müsse nämlich noch das Gemeinsame Europäische Asylsystem (Geas) in nationales Recht umgesetzt werden. Dann werde es unter anderem um den Bau von Asyl- und Rückkehrzentren außerhalb der EU gehen.

Aufbau von Sekundärmigrationszentren

In Deutschland sollen zudem geschlossene Sekundär-Migrationszentren entstehen. Dort sollen sogenannte Dublin-Fälle untergebracht werden, also Asylbewerber, die über ein anderes EU-Land nach Deutschland eingewandert sind. Sie sollen in dasjenige Land zurückgeführt werden, in das sie zuerst in die Europäische Union eingereist sind. Diese Umsetzung der Dublin-Regelung werde seit Jahrzehnten immer wieder erfolglos versucht, sagte Oltmer: „Warum sollte das jetzt plötzlich funktionieren?“ Der Professor fürchtet, dass viele Menschen über lange Zeit in diesen Zentren leben müssen.