Bad Hersfeld (epd). Die Bad Hersfelder Festspiele feiern in diesem Jahr ihr 75-jähriges Bestehen. Für die Jubiläumssaison vom 26. Juni bis 16. August 2026 sind nach Angaben der Intendantin Elke Hesse bereits rund 70 Prozent der Karten verkauft. Hesse, die die Leitung 2025 übernommen hat, will das traditionsreiche Festival künstlerisch weiterentwickeln und seine überregionale Bedeutung stärken. Langfristig solle Bad Hersfeld vom künstlerischen Anspruch her in einer Reihe mit den Bayreuther Festspielen, den Bregenzer Festspielen und den Salzburger Festspielen wahrgenommen werden, sagte die 61-jährige Wienerin dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Die Spielzeit wird mit Bühnen- und Kostümbildpräsentationen und der Besetzung der Ensembles konkreter.“
Beteiligungsprojekte wie der „Herzfeld-Chor“ mit mehr als 100 Mitwirkenden
Einen Schwerpunkt setzt Hesse auf Beteiligungsprojekte für Bürgerinnen und Bürger. Unter dem Motto „Wir 26“ beziehe ein groß angelegtes Community-Projekt Menschen aus der Region ein. Dazu zählt der „Herzfeld-Chor“ mit mehr als 100 Mitwirkenden. Ziel sei es, die Festspiele stärker in die Stadt hineinwirken zu lassen und neue Publikumsschichten zu erreichen. „Das Singen kennt keine sprachlichen Barrieren; es schafft ein Gemeinschaftsgefühl“, sagte Hesse.
Zum Festival gehören zudem kostenfreie Angebote für Jugendliche wie ein Musikprojekt mit einer Berliner Gruppe. Zugleich verwies Hesse auf die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, da sich die Festspiele zu großen Teilen über Eintrittsgelder finanzieren. Ergänzend sind montags Sonderformate mit Gastauftritten bekannter Schauspieler geplant. Zu den Veränderungen zählt Hesse auch ein neues Design und eine barrierefreie Internetseite. Zudem werden die Aufführungen ohne Pause gespielt.
Kunst und Kultur sollen Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenbringen
„Wir wollen die traumhafte Kulisse der Stiftsruine, diesen sakralen Raum, für die Inszenierungen stärker hervorheben“, sagte die Intendantin. Theater könne Menschen emotional bewegen und neue Perspektiven eröffnen. „Man sollte sich einfach darauf einlassen, Theater mit offenen Augen und Ohren wahrnehmen.“ Den Begriff Hochkultur lehne sie ab. Kunst und Kultur seien vielmehr ein Mittel, um Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenzubringen.
Künstlerisch setzt Hesse auf Klassiker sowie exklusive Produktionen für den „einzigartigen“ Aufführungsort. Geplant sind unter anderem Neuinterpretationen antiker Stoffe wie „Parzival oder Die Suche nach dem Heiligen Gral“ in einer Überschreibung und Uraufführung durch Regisseur Michael Schachermaier mit Hauptdarsteller Thieß Brammer. Das Musical „Something Rotten“ werde als deutschsprachige Erstaufführung gezeigt. Für die Komödie „Lysistrata“ wurden bereits die Besetzungen Gesine Cukrowski und Markus Gertken bekanntgegeben.
Hesse hatte die Festspiele bereits von 2006 bis 2009 geleitet. In Wien leitet Hesse weiterhin das MuTh, Konzertsaal der Wiener Sängerknaben.


