Rom (epd). Die erzkonservative Piusbruderschaft hat es abgelehnt, auf eine von der Gemeinschaft geplante Bischofsweihe am 1. Juli zu verzichten. Das schreibt der Obere der Bruderschaft, Davide Pagliarani, in einem Antwortbrief auf den Vorschlag des Vatikan, in einen Dialog zu treten. Auch den Dialog lehnt der Obere in seinem Schreiben ab. Der Brief ist auf den 18. Februar datiert und wurde am Donnerstag auf der Internetseite der Piusbruderschaft veröffentlicht.
Der Vatikan wollte das Schreiben am Donnerstag vorerst nicht kommentieren. Der Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre, Kardinal Victor Fernández, hatte eine Woche zuvor bei einem Treffen mit Pagliarani einen „spezifisch theologischen Dialog mit einer genau festgelegten Methodik“ vorgeschlagen.
Bischofsweihe ohne Papstmandat kommt Schisma gleich
Als Voraussetzung für einen solchen Dialog nannte das Dikasterium in einer Mitteilung im Anschluss an das Treffen, „dass die Bruderschaft die angekündigten Bischofsweihen aussetzt“. Die Weihe von Bischöfen ohne Mandat des Papstes würde „einen entscheidenden Bruch der kirchlichen Gemeinschaft (Schisma) mit schwerwiegenden Folgen für die Bruderschaft als Ganzes“ bedeuten, hatte Kardinal Fernández klargestellt.
In seinem Antwortbrief schreibt Pagliarani, er habe sich über eine neue Öffnung für den Dialog gefreut, könne allerdings „die Perspektive und die Ziele, in deren Namen das Dikasterium eine Wiederaufnahme des Dialogs in der gegenwärtigen Situation vorschlägt, nicht akzeptieren“. Beide Seiten wüssten im Voraus, „dass wir uns in doktrinären Fragen nicht einigen können, insbesondere was die grundlegenden Orientierungen seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil betrifft“.
Seit Jahrzehnten im Konflikt
Diese Uneinigkeit sei nicht nur eine einfache Meinungsverschiedenheit, fährt Pagliarani in seinem Schreiben fort, sondern „ein echtes Gewissensproblem, das aus einem Bruch mit der Tradition der Kirche entstanden ist“. Dieser komplexe Knoten sei leider durch die lehrmäßigen und pastoralen Entwicklungen während der letzten Pontifikate noch unentwirrbarer geworden. Auch eine „Verschiebung des Termins vom 1. Juli“ lehnt Pagliarani ab.
Die Piusbruderschaft, die als Reaktion auf die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils gegründet wurde und diese ablehnt, steht seit Jahrzehnten im Konflikt mit dem Vatikan. Immer wieder brachen die Kontakte in der Vergangenheit für einige Zeit ganz ab.


