Berlin (epd). Der ukrainisch-deutsche Verein Vitsche fordert von den Menschen in Deutschland mehr konkrete Solidarität für die kriegsgeplagte Ukraine. „Es gibt viel Empathie hier, aber das Problem ist, es geht nicht weiter. Die Empathie wird nicht zur Handlung“, sagte Vorstandsmitglied Vladyslava Vorobiova dem Evangelischen Pressedienst (epd). Gebraucht würden hierzulande mehr Menschen, „die klar sagen, wir wollen Russland zeigen, dass wir als Europäer stark sind und für unsere Demokratie kämpfen werden“. „Und da meine ich nicht unbedingt mit Waffen, was aber auch wichtig ist“, sagte die 22-jährige ukrainische Aktivistin.
Am 24. Februar jährt sich der offene Angriff Russlands auf die Ukraine zum vierten Mal. Der Verein Vitsche war wenige Wochen zuvor, Ende Januar 2022, von in Berlin lebenden Ukrainerinnen und Ukrainern gegründet worden, um vor der Kriegsgefahr zu warnen. Heute ist der Verein eine Anlaufstelle für die ukrainische Community.
Arroganz und Rassismus des Westens
Es gebe immer Momente, wo die Solidarität in Deutschland mit der Ukraine wachse, sagte Vorobiova: „Beispielsweise nach dem ersten Gespräch zwischen Selenskyj und Trump im Oval Office vor einem Jahr.“ Sie glaube aber, dass viele Menschen in Deutschland bis jetzt nicht verstünden, was ein hybrider Krieg sei: „Ein hybrider Krieg heißt, dass der Feind schon hier ist, durch Desinformation, durch unbekannte Drohnenflüge und durch Sabotagen.“ Es sei wichtig, den Menschen hierzulande immer wieder klarzumachen, „dass die Ukraine jetzt gerade gegen Russland kämpft, ist nicht nur für die Ukraine wichtig. Es ist für ganz Europa wichtig.“
Vorobiova, die seit neun Jahren in Deutschland lebt, sagte, dass sie immer wieder Arroganz und Rassismus des Westens gegenüber Osteuropa erleben musste: „Die osteuropäischen Länder wurden weiterhin als Ostblock gesehen und nicht als subjektive Länder mit eigener Kultur und Sprache. Und dieser Ostblock wurde in der hiesigen Wahrnehmung weiterhin irgendwie von Russland angeführt. So, als sei die Sowjetunion immer noch da. Aber mittlerweile hat sich da etwas geändert.“
Vieles ist besser geworden
Auch Arroganz in der Politik gebe es noch, aber nur noch in bestimmten Parteien wie AfD und BSW: „Vieles ist aber besser geworden. Für unsere am 24. Februar geplante Demonstration in Berlin haben wir Redner und Rednerinnen von SPD, CDU und Grünen.“ Vitsche ruft die Berlinerinnen und Berliner zum Jahrestag des Kriegsbeginns zu einer Solidaritätsdemonstration für die Ukraine in Berlin-Mitte auf. Das Motto heißt „Für Europas Zukunft“.


