Düsseldorf (epd). Rund die Hälfte aller erwerbstätigen oder arbeitssuchenden Eltern in Deutschland war im Herbst 2025 mit Einschnitten bei der Kinderbetreuung konfrontiert. Das zeigen Daten des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, die am Freitag in Düsseldorf vorgelegt wurden. Demnach waren 54 Prozent der befragten Eltern, die ihre Kinder in Kitas, bei Tageseltern oder in einer Ganztagsschule untergebracht hatten, von Kürzungen bei Betreuungszeiten oder kurzfristigen Schließungen betroffen.
Zumeist war Personalmangel die Ursache für die Probleme in den Einrichtungen, wie es hieß. Fast ein Drittel der befragten Eltern hätten die eigene Erwerbsarbeitszeit reduzieren müssen, um die Betreuungslücke zu schließen. Mehrheitlich sprängen Mütter ein, gleichzeitig reduzierten betroffene Väter etwas häufiger als früher ihre Arbeitszeit.
Leichter Rückgang bei der Quote der Betroffenen
Immerhin konnten das Forschungsinstitut einen leichten Rückgang bei der Quote vermelden. Bei einer Vorläuferbefragung von Ende 2024 hatten noch gut 59 Prozent der Eltern von Ausfällen oder Kürzungen bei der Kinderbetreuung berichtet. Dies sei zwar ein leichter Rückgang, allerdings befänden sich die Ausfallzeiten weiterhin auf einem hohen Niveau, sagte die wissenschaftliche Direktorin des WSI, Bettina Kohlrausch.
Sie mahnte eine bessere Betreuungssituation an. „Unter den aktuellen Umständen können berufstätige Eltern nicht verlässlich planen, und vor allem Frauen müssen sich zweimal überlegen, ob sie eine Erwerbsarbeit aufnehmen oder ausweiten können“, sagte Kohlrausch. Notwendig seien weitere „massive Investitionen in eine wirklich verlässliche Infrastruktur für die frühe Bildung“. Überdies sollten Maßnahmen unterlassen werden, die die Arbeitszeiten für Beschäftigte „noch schlechter planbar macht, beispielsweise die von der Regierung geplante Abschaffung der täglichen Arbeitszeit-Höchstgrenze“.
Meinungsforscher befragten rund 900 Personen
Für die WSI-Studie hatte Infratest dimap im November und Dezember die Daten von rund 900 erwerbstätigen Menschen mit betreuten Kindern erhoben. Dabei gaben 35 Prozent an, dass die Betreuungseinrichtung in den drei Monaten zuvor an mindestens einem Tag kurzfristig und ungeplant geschlossen hatte. Bei 44 Prozent kam es zu Verkürzungen der Betreuungszeiten. Da ein Teil der Eltern sowohl mit Kürzungen als auch mit Schließungen zurechtkommen musste, summiert sich die Quote der Betroffenen insgesamt auf bundesweit 54 Prozent.
Der Bundeselternrat warf der Politik vor, nicht genug für eine sichere Kinderbetreuung in Deutschland zu tun. „Wenn Eltern regelmäßig Arbeitszeit reduzieren müssen, um Betreuungsausfälle zu kompensieren, hat das nicht nur individuelle, sondern auch volkswirtschaftliche Konsequenzen“, sagte die stellvertretende Vorsitzende des Dachverbandes der Landeselternvertretungen, Aline Sommer-Nack, der „Rheinischen Post“ (Samstag) in Düsseldorf. Notwendig sei jetzt eine „konsequente Fachkräfteoffensive“, zudem müssten die Plätze in den Einrichtungen auf ein Niveau ausgebaut werden, das sich „an realen Bedarfszahlen orientiert - nicht an Haushaltslagen“.


