Hannover, Bremen (epd). Betroffene von sexualisierter Gewalt werfen der evangelischen Kirche erneut Machtmissbrauch vor. Beschlüsse der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) würden in den 20 Landeskirchen nicht direkt umgesetzt, sondern über lange Zeiträume in verschiedenen Gremien diskutiert, kritisierte die Betroffenenvertretung der Unabhängigen Aufarbeitungskommission (URAK) in Niedersachsen und Bremen am Dienstag in Hannover. „Was demokratisch wirken soll, entpuppt sich als Machtinstrument, wenn Beschlüsse im Karussellprinzip dauerkreiseln.“ Betroffene empfänden dies als Ausdruck erneuter Machtausübung.
Spürbare Ergebnisse zu ihren Gunsten würden so hinausgezögert, hieß es. „Betroffene haben dadurch immer wieder das Nachsehen“, schrieben die Vertreter als Reaktion auf den Rücktritt der Betroffenensprecherin Nancy Janz vergangene Woche. Janz hatte ihren Rückzug vom Posten der Sprecherin der Betroffenen im Beteiligungsforum Sexualisierte Gewalt in der EKD und der Diakonie angekündigt. Sie beklagte mangelnde Fortschritte bei der Aufarbeitung und Prävention von Missbrauch. Bei einigen Kirchenleitenden fehle der Wille, Verantwortung zu übernehmen und Haltung zu zeigen.
Kritik an Umsetzung von Richtlinien
Die Betroffenenvertretung der URAK kritisierte darüber hinaus Änderungen bei der Umsetzung der Anerkennungsrichtlinie der EKD in den Landeskirchen in Niedersachsen und Bremen. Sie befürchteten dadurch Nachteile für sich und die übrigen Betroffenen. Diese Richtlinie war im Beteiligungsforum ausgehandelt worden und sollte eigentlich flächendeckend in allen Landeskirchen umgesetzt werden. Sie bilden unter anderem ab, in welcher Höhe Missbrauchsbetroffene Ausgleichszahlungen von Kirche und Diakonie erhalten sollen.
Als Konsequenz aus dem Rücktritt müsse die Kirche nun endlich aus ihren Worten Taten folgen lassen, heißt es in der Stellungnahme. Die Kirche stehe gegenüber Betroffenen, Opfern und Überlebenden im Wort: „Und sie bricht es regelmäßig an ganz entscheidenden Stellen.“


