Hannover (epd). Die für das Thema Missbrauch in der evangelischen Kirche zuständige Kirchenpräsidentin Dorothee Wüst hat den Rückzug der Betroffenensprecherin Nancy Janz bedauert. Janz habe das Beteiligungsforum, das für Aufarbeitung und Prävention verantwortliche Gremium, geprägt, erklärte die pfälzische Kirchenpräsidentin am Mittwoch. Zuvor war bekannt geworden, dass Janz sich von ihrem Amt als Betroffenensprecherin zurückzieht.
In einem Interview mit dem evangelischen Magazin „chrismon“ (online) begründete Janz den Schritt mit Überlastung durch ihr ehrenamtliches Engagement als Sprecherin und mangelnden Fortschritten bei der Aufarbeitung und Prävention in der evangelischen Kirche und Diakonie. Wüst sagte, sie verstehe die Kritik, sehe aber auch, „welchen großen Wandel wir in den vergangenen Jahren angestoßen haben“. „Dass Betroffene dennoch mehr Tempo einfordern, nehmen wir sehr ernst und verstehen dies als klaren Auftrag, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen“, sagte die Sprecherin der kirchlichen Beauftragten im Beteiligungsforum Sexualisierte Gewalt in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Diakonie.
Zweiter Rückzug innerhalb weniger Monate
Mit Janz verliert das Beteiligungsforum innerhalb kurzer Zeit seine zweite prominente Stimme. Bereits im Herbst hatte Detlev Zander sein Sprecheramt niedergelegt und ebenfalls Defizite bei der Aufarbeitung kritisiert. Seitdem war Janz alleinige Sprecherin der Betroffenen. Wie es weitergeht, blieb am Mittwoch offen. Die Nachfolge im Sprecheramt werde nun innerhalb der Gruppe der Betroffenen im Beteiligungsforum geregelt. Wüst kündigte an, man werde offen über den angekündigten Rückzug, Janz' Beweggründe und „mögliche Schlussfolgerungen für die Weiterentwicklung der Struktur des Beteiligungsforums“ sprechen.


