Brüssel (epd). Die Wohnungsnot in Europa hat nach Einschätzung des EU-Kommissars für Energie und Wohnen, Dan Jørgensen, ein kritisches Ausmaß erreicht. „Europa steckt in einer Wohnkrise“, sagte er am Dienstag in Brüssel. Millionen Menschen könnten ihre Miete kaum noch bezahlen oder fänden überhaupt keine Unterkunft. „Das ist nicht nur ein Problem für die Betroffenen - es ist ein demokratisches Problem“, betonte Jørgensen. Wohnen sei ein Menschenrecht. Wenn die Politik die Krise nicht grundlegend angehe, drohe sie „unsere Demokratie zu untergraben“.
Steigende Preise und Mieten machten Wohnraum zunehmend unerschwinglich. Betroffen seien nicht nur sozial schwächere Gruppen, sondern auch Haushalte mit niedrigem und mittlerem Einkommen, junge Menschen und Familien. Viele junge Europäer könnten das Elternhaus nicht verlassen und seien dadurch in Ausbildung und Beruf eingeschränkt. Normale Beschäftigte wie Pflegekräfte, Polizistinnen, Polizisten und Lehrkräfte könnten sich vielerorts das Leben an ihrem Arbeitsort nicht mehr leisten.
Europäischer Plan für bezahlbaren Wohnraum
Die Kommission hatte im Dezember 2025 den „Europäischen Plan für bezahlbaren Wohnraum“ vorgestellt, eine Strategie zur Ausweitung des Wohnungsangebots, zur Mobilisierung von Investitionen und zur Unterstützung besonders belasteter Gruppen. Zwar müssten viele Maßnahmen auf nationaler oder lokaler Ebene erfolgen, sagte Jørgensen, doch könne Europa „gemeinsam die größten Herausforderungen angehen“.
Kern des Plans seien zusätzliche Investitionen in Neubau und Renovierung sowie die Umnutzung leer stehender Gebäude. „Wir müssen mehr Wohnungen bauen und sanieren“, sagte der Kommissar. Gemeinsam mit der Europäischen Investitionsbank (EIB) entwickle die Kommission derzeit eine gesamteuropäische Investitionsplattform, die Behörden, Investoren und die Bauwirtschaft zusammenbringen soll. Auch Bürokratieabbau und die Regulierung von Kurzzeitvermietung seien entscheidend. Dafür will der Kommissar einen Gesetzesvorschlag vorlegen. Der dänische Sozialdemokrat ist der erste EU-Kommissar, der für den Bereich Wohnen zuständig ist.


