Synodaler Weg: Unzufriedenheit mit Reformfortschritten

Synodaler Weg: Unzufriedenheit mit Reformfortschritten
Stuttgarter Stadtdekan: "Die Hütte brennt"
Jahrelang haben katholische Laien und Bischöfe über Reformen diskutiert, am Ende standen 15 Texte. Eine Auswertung zum Abschluss des Reformdialogs Synodaler Weg zeigt: Viele Beschlüsse sind noch nicht umgesetzt. Der Unmut darüber ist groß.
30.01.2026
epd
Von Franziska Hein (epd)

Stuttgart (epd). Viele Delegierte des katholischen Reformdialogs Synodaler Weg sind unzufrieden mit der bisherigen Bilanz bei der Umsetzung der beschlossenen Veränderungen. „Es brennt die Hütte, wir haben die Zeit nicht mehr“, sagte der Stuttgarter Stadtdekan Christian Hermes am Freitag während der letzten Synodalversammlung des Synodalen Weges, die bis Samstag in seiner Stadt tagt. Er zeigte sich enttäuscht über die langsame Umsetzung der Beschlüsse aus der Synodalversammlung.

Zentraler Tagesordnungspunkt am Freitag war der Bericht über die Umsetzung der Beschlüsse des katholischen Reformforums. Die katholische Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken als Laienorganisation hatten den Synodalen Weg 2019 beschlossen. Zwischen 2020 und 2023 hatten Bischöfe und Laien insgesamt 15 Texte verabschiedet, darunter neun konkrete Handlungstexte, etwa für Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare, die Beteiligung von Gläubigen an Bischofswahlen oder die Möglichkeit, in Messfeiern zu predigen - auch für Frauen.

Kein Bistum setzt alle Beschlüsse um

Die Synodale Birgit Mock sagte in der Präsentation des Berichts, keines der 27 Bistümer habe bislang alle Beschlüsse vollständig umgesetzt. 23 von 27 Bistümern hatten sich auf eine entsprechende Umfrage zurückgemeldet. Gar nicht geantwortet haben die Bistümer Köln, Regensburg, Passau und Eichstätt. Der Kölner Erzbischof Kardinal Rainer Maria Woelki und der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer nehmen auch nicht an der Synodalversammlung teil. Sie gehören zu den lautstarken Gegnern des Formats.

Der Würzburger Bischof Franz Jung sprach von einer „Momentaufnahme“. Die Befragung fand 2025 statt. Laut Bericht sollen in 13 Diözesen Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare eingeführt werden, eine Diözese verwies auf eine bereits bestehende Praxis für solche Segensfeiern.

Eine Leerstelle ist die fehlende Erlaubnis, dass auch nicht geweihte Personen, wie Frauen, in katholischen Eucharistiefeiern predigen dürfen. Eine solche Partikularnorm müsste beim Vatikan eingeholt werden. Auch eine Musterordnung für die Beteiligung von Laien bei Bischofsernennungen fehlt noch.

Kritik an Anonymisierung

In dem Bericht wird nicht explizit benannt, welches Bistum welche Reformen umgesetzt hat oder nicht. Daran gab es viel Kritik aus dem Plenum. Der Theologe und Ökonom Bernhard Emunds, Teilnehmer der Synodalversammlung, forderte eine Aufhebung der Anonymisierung. Der Delegierte Stefan Eschbach forderte eine Auswertung, was an der Kirchenbasis in den Gemeinden von den Beschlüssen ankomme.

Auch der Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Christian Gärtner, sagte, der Synodale Weg müsse viel stärker in die Gemeinden wirken. Das sei ein Defizit. Er riet zu Differenzierung bei der Betrachtung einzelner Bistümer. Denn kleinere Bistümer hätten auch weniger personelle oder finanzielle Ressourcen. Aber es gebe auch Beharrungskräfte, die Reformen unterliefen.

Frauen wollen das Priestertum

Weibliche Delegierte wünschten sich vor allem weitergehende Reformen für Frauenrechte in der Kirche. Die Berliner Historikerin Birgit Aschmann betonte: „Natürlich wollen wir das Priestertum.“ Schwester Katharina Kluitmann von der Deutschen Ordensobernkonferenz sagte: „Die Frauen sind am Ende ihrer Geduld. Sie bleiben weg, selbst diese 'knatschkatholischen' Frauen.“ Auch sie sei manchmal am Ende ihrer Geduld.