Missbrauch: Katholische Aufarbeitungskommissionen machen Fortschritte

Missbrauch: Katholische Aufarbeitungskommissionen machen Fortschritte
Die Unabhängigen Aufarbeitungskommissionen zu Missbrauch in der katholischen Kirche sind ein wichtiger Baustein für die Aufklärung von Taten sexualisierter Gewalt. Erste Abschlussberichte liegen vor.

Stuttgart (epd). Die unabhängige Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in den katholischen Bistümern in Deutschland hat Fortschritte gemacht. Erste von der Kirche unabhängige Aufarbeitungskommissionen stünden kurz vor ihren Abschlussberichten, sagte der Aachener Bischof Helmut Dieser am Freitag in Stuttgart bei der letzten Synodalversammlung des Reformdialogs Synodaler Weg. Der Beauftragte für den Umgang mit Missbrauchstaten berichtete vor den etwa 180 Delegierten über die Fortschritte bei der Aufarbeitung sexualisierter Gewalt.

Demnach arbeiten derzeit 21 sogenannte Unabhängige Aufarbeitungskommissionen, die teilweise für mehrere der 27 Bistümer zuständig sind. Die unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Bistum Fulda habe ihre Arbeit bereits mit einem umfangreichen Abschlussbericht beendet, weitere Kommissionen stünden kurz davor, heißt es in dem Bericht.

Die bislang veröffentlichten Berichte und Studien böten breite Erkenntnisse über strukturelle Bedingungen, die Missbrauch und Vertuschung begünstigt haben: Täter-Opfer-Umkehr, Klerikalismus, Institutionenschutz statt Betroffenenschutz, Defizite in Aktenführung und Verwaltung sowie problematische Aspekte des Priesterbildes und der Sexualmoral.

Betroffener: Schritte reichen nicht aus

Mit allen Abschlussberichten und diözesanen Studien seit 2010 zeichnen demnach dann über 200 Gutachten und Analysen ein Gesamtbild der institutionellen Aufarbeitung zu Ursachen und begünstigenden Strukturen.

Johannes Norporth, Mitglied des Betroffenenbeirats bei der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, sagte, die flächendeckenden Aufarbeitungskommissionen seien zwar keine Kleinigkeiten und auch keine bloßen Alibi-Strukturen, wenn sie denn ernst genommen würden. Diese Schritte reichten aber nicht annähernd, sie seien der Anfang eines langen Weges. „Viel kürzer ist dieser Weg mit Blick auf die Überwindung der Missbrauchskrise nicht geworden“, sagte er. Bis heute gebe es Kleriker und Verantwortungsträger, die die systemischen Ursachen des Missbrauchs nicht sehen wollten.