Holocaust-Überlebende Friedman: "Ich bin Ihre Zeugin"

Holocaust-Überlebende Friedman: "Ich bin Ihre Zeugin"
Sie sei das Kind gewesen, "vor dem Hitler Angst hatte", sagte die Holocaust-Überlebende Tova Friedman vor dem Bundestag - weil sie als Zeugin überlebt habe. Eindringlich forderte sie, das Zeugnis der Überlebenden ernst zu nehmen.

Berlin (epd). Die Holocaust-Überlebende Tova Friedman hat dazu aufgefordert, den Zeitzeugen des Nationalsozialismus zuzuhören, solange es noch möglich ist. Sie gehöre zu der schwindenden Zahl von Überlebenden, die Zeugnis ablegen könnten, sagte Friedman am Mittwoch im Bundestag bei der Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus. Sie mache dies nicht, um Wunden aufzureißen, sondern um zu verhindern, dass es zu einem Verlust der Erinnerung komme, sagte die 87-Jährige.

Sie sei das Kind, „vor dem Hitler Angst hatte“, sagte sie. Dessen Devise sei es gewesen, keine Zeugen der Verbrechen zu haben. „Ich bin Ihre Zeugin“, sagte Friedman vor den Spitzen der Verfassungsorgane, Abgeordneten und vielen Besuchern auf der Tribüne des Parlaments. Sie wolle eine Wahrheit teilen, „die schmerzlich, aber wesentlich ist“. Eindringlich warnte sie vor aktuellem Antisemitismus. Alle bisherigen Bemühungen, ihn zu bekämpfen, reichten nicht aus, sagte sie.

Überlebte als Kind Auschwitz

Friedman überlebte das NS-Konzentrationslager Auschwitz, in das sie als Fünfjährige deportiert wurde. Vermutlich war an dem Tag, als sie ermordet werden sollte, die Gaskammer defekt. Als 12-Jährige wanderte sie in die USA aus. Gemeinsam mit ihrem 20-jährigen Enkel betreibt Friedman seit 2021 einen TikTok-Kanal, auf dem sie über die Verfolgung der Juden durch die Nazis und heutigen Antisemitismus aufklärt.

Der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus wurde 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog proklamiert und auf den 27. Januar festgelegt. Es ist der Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz im Jahr 1945. Allein dort wurden 1,1 Millionen Menschen ermordet.