Studie: Nur in jeder siebten Kita bedarfsgerechte Förderung möglich

Studie: Nur in jeder siebten Kita bedarfsgerechte Förderung möglich
Die meisten Kindertagesstätten in Deutschland hinken den pädagogischen Anforderungen einer inklusiven Gesellschaft hinterher. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bertelsmann Stiftung. Vor allem in Ostdeutschland sieht sie Handlungsbedarf.

Gütersloh, Wien (epd). Nur wenige Kindertagesstätten in Deutschland sind einer Analyse zufolge personell optimal für die wachsenden pädagogischen Anforderungen durch Inklusion oder sprachliche Vielfalt aufgestellt. Gerade einmal jede siebte Kita weist 100 Prozent der wissenschaftlich empfohlenen Personalbesetzung auf, um eine gute frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung zu gewährleisten, wie die Bertelsmann Stiftung am Mittwoch in Gütersloh zu den Ergebnissen der von ihr in Auftrag gegebenen Studie mitteilte.

Dabei zeigten sich große Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. So erreichten 16 Prozent der westdeutschen Kitas eine bestmögliche Fachkraft-Quote, während das nur zwei Prozent der ostdeutschen Kitas gelinge.

Für die Studie hat das Österreichische Institut für Familienforschung an der Universität Wien eine neue Personalausstattungsquote eingeführt. Dazu wurden die bisher empfohlenen Personalschlüssel in Kitas mit aktuellen Daten der Kinder- und Jugendhilfestatistik von Bundes- bis Kreisebene abgeglichen. Zusätzliche Personalstunden werden für Kita-Kinder mit Behinderungen oder mangelnden Deutschkenntnissen angesetzt.

Bremen und Baden-Württemberg haben gute Quoten, Sachsen Schlusslicht

Ein knappes Viertel der bundesweiten Kitas erreicht nach dieser Berechnung eine Quote zwischen 81 und 99 Prozent, 41 Prozent haben mehr als 60 Prozent der empfohlenen Personalkapazitäten zur Verfügung. Etwa jede fünfte Kindertagesstätte liegt darunter. Die Analyse ergab aber auch, dass die personellen Empfehlungen für gute Bildungschancen in Kitas im Durchschnitt eher bei einem steigenden Anteil an Kindern mit Eingliederungshilfe erreicht werden als bei Gruppen mit ausländischen Kindern.

Erhebliche Unterschiede zeigen sich zwischen den Bundesländern: Während in Bremen und Baden-Württemberg jeweils mehr als 30 Prozent aller Kitas über ausreichend Personalressourcen gemäß diesen fachlichen Empfehlungen verfügen, sind es in Sachsen nur 0,6 Prozent. Der Anteil der Kitas, denen mehr als 80 Prozent der empfohlenen Quote an Fachkräften zur Verfügung stehen, liegt in Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen zwischen 21 und 29 Prozent.