Berlin (epd). In Berlin haben am Dienstag Vereine und Verbände der Holocaust-Opfer gedacht. Unter anderem erinnerten Vertreter der Fußballvereine Hertha BSC und Union Berlin gemeinsam mit dem Berliner Fußball-Verband (BFV) und dem schwulen Anti-Gewalt-Projekt Maneo an die Deportationen in der NS-Zeit vom S-Bahnhof Grunewald. Am Dienstag jährte sich die Befreiung des NS-Konzentrationslagers Auschwitz zum 81. Mal.
Am Mahnmal Gleis 17 in Grunewald wurden 17 Kränze für die rund 10.000 Jüdinnen und Juden niedergelegt, die in der NS-Zeit von dort deportiert wurden. Christian Arbeit, Präsidiumsmitglied von Union Berlin, warnte angesichts der erneuten Zunahme von Antisemitismus und Rechtsextremismus: „Es fällt nicht vom Himmel. Es sickert ein, ganz allmählich.“ Hertha-Geschäftsführer Peter Görlich sagte, nur die Demokratie helfe gegen solche Tendenzen. Das Vertrauen in sie „müssen wir uns alltäglich, aber gerade heute, vor Augen halten“.
LSVD: Schutz von queerem Leben verankern
Auch Alva Träbert vom Bundesvorstand des Lesben- und Schwulenverbands Deutschland (LSVD) wies darauf hin, dass ein „Nie wieder“ die Verteidigung einer wehrhaften Demokratie erfordere. Daraus ergebe sich die Verantwortung, „staatlichen Schutz von queerem Leben zu verankern“, erklärte Träbert. In den vergangenen Jahren seien Fortschritte gemacht worden, um vom NS-Regime verfolgte und ermordete Menschen „endlich angemessen und würdig in unser kollektives Gedächtnis zu rufen“. Trotzdem sei das Gedenken an queere Menschen „in vielen Gedenkstätten und in der Bildungsarbeit immer noch unsichtbar“.
Der Publizist Michel Friedman mahnte im RBB-Inforadio, die Rolle der eigenen Familien in der NS-Vergangenheit aufzuarbeiten. „Der Judenhass ist keine deutsche Erfindung, aber Auschwitz ist eine deutsche Erfindung“, sagte der 69-jährige Sohn jüdischer Überlebender. Dafür müsse die Mehrheit jedoch akzeptieren: „Sie sind die Enkelkinder der Täter.“ Friedman beklagte, dass die Lebensqualität jüdischer Menschen in Deutschland so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht mehr sei.
„Sie hassen Goldstein genauso wie Yilmaz“
Angesichts des erstarkenden Rechtsextremismus appellierte die Türkische Gemeinde in Deutschland an die Solidarität von Minderheiten untereinander. „Der 27. Januar erinnert mich daran, dass ich als Türke in Deutschland jüdische Menschen und jüdisches Leben besonders schützen muss“, sagte der Bundesvorsitzende Gökay Sofuoglu: „Das gilt für jede Minderheit.“ Rechtsextremisten würden keine Unterscheidung machen: „Sie hassen Goldstein genauso wie Yilmaz. Wir müssen Antisemitismus und Rassismus gemeinsam bekämpfen.“
Auch der evangelische Berliner Bischof Christian Stäblein betonte, dass Antisemitismus und Rechtsextremismus „gegenwärtig und gefährlich“ seien. Sie bedrohten jüdisches Leben und die offene Gesellschaft.
Der internationale Holocaust-Gedenktag wird jährlich am 27. Januar begangen. Er erinnert an die sechs Millionen von den Nationalsozialisten ermordeten Juden und die weiteren Opfer der NS-Herrschaft. Der Tag geht auf die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 zurück. Am Mittwoch findet eine Gedenkstunde im Bundestag statt.


