Publizist Friedman: Judenhass ist alltäglich wie eh und je

Publizist Friedman: Judenhass ist alltäglich wie eh und je
Mehr als 80 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus sei Antisemitismus in Deutschland so alltäglich wie eh und je, sagt der Publizist Michel Friedman. Er fordert die Menschen im Land auf, gegenzusteuern.

Berlin (epd). Der Publizist Michel Friedman mahnt die Deutschen zum Holocaust-Gedenktag, die Rolle ihrer Familien in der NS-Vergangenheit aufzuarbeiten. „Der Judenhass ist keine deutsche Erfindung, aber Auschwitz ist eine deutsche Erfindung“, sagte der Sohn jüdischer Überlebender am Dienstag im RBB-Inforadio: „Und deswegen empfehle ich uns, den Nachgeborenen, miteinander zu reden und neugierig zu sein.“ Dafür müsse die Mehrheit jedoch akzeptieren: „Sie sind die Enkelkinder der Täter.“

Für den 69-jährigen Friedman ist der jährliche Gedenktag für die Opfer des Holocaust am 27. Januar vor allem ein Tag der Trauer, wie er sagt: „Ich habe meine gesamte Familie, 50 Menschen, nie kennengelernt. Es sind Schatten, es sind Gespenster. Und meine Mutter, mein Vater und meine Großmutter haben überlebt, weil ein Deutscher, Oskar Schindler, sie gerettet hat.“

Judenhass und Gewalt explodieren

Zugleich sei der Tag auch ein Anlass, um Bilanz zu ziehen. „2026 ist die Lebensqualität jüdischer Menschen in Deutschland so schlecht wie seit Jahrzehnten nicht mehr“, kritisierte Friedman. Die eigene Sicherheit sei für Jüdinnen und Juden ein alltägliches Problem geworden. Der Judenhass und auch die Gewalttaten explodierten.

Der Antisemitismus sei auch mehr als 80 Jahre nach dem Ende der NS-Verbrechen alltäglich wie eh und je, sagte Friedman. Es gelte gegenzusteuern im privaten Umfeld und im Alltag. „Und immer, wenn eine Bemerkung stattfindet, wo man genau weiß, das geht eigentlich nicht, muss man sich einmischen“, sagte er. Auch der Gesetzgeber, die Politik und die Gerichte müssten deutlich machen: „Judenhass ist kein Kavaliersdelikt.“