Frankfurt a.M., London (epd). Trotz internationaler Sanktionen bezieht das Militärregime in Myanmar laut Amnesty International weiter Flugbenzin, das für Angriffe auf die Zivilbevölkerung eingesetzt wird. Der Treibstoff gelange über eine dunkle, außer Kontrolle geratene Lieferkette in das südostasiatische Land, erklärte die Menschenrechtsorganisation in einem am Montag veröffentlichten Bericht.
„Fünf Jahre nach dem Staatsstreich zeigen unsere Analysen, dass die Junta in Myanmar weiterhin Sanktionen umgeht und neue Wege findet, um den Flugzeugtreibstoff zu importieren, den sie für die Bombardierung der eigenen Zivilbevölkerung verwendet“, erklärte Amnesty-Analystin Montse Ferrer. Die Lieferungen von Flugbenzin nähmen trotz Sanktionen und gut dokumentierter Zunahme von Luftangriffen auf die Zivilbevölkerung sogar zu. 2025 sei das tödlichste Jahr der Luftangriffe seit der Machtübernahme von 2021 gewesen.
Lieferung auf „Geisterschiffen“
Die Analyse von Handels-, Schiffs-, Hafen- und Satellitendaten weise darauf hin, dass die Militärjunta die von Ländern wie Russland, dem Iran oder Nordkorea gemeldeten Taktiken zur Umgehung von Sanktionen kopiere und den Treibstoff über „Geisterschiffe“ ins Land hole, erklärte Amnesty. Diese schalteten ihr Radarsystem aus, schickten teilweise gezielt falsche Daten und änderten manchmal auch Namen, Flagge oder Eigner. Das mache es nahezu unmöglich, den Lieferanten zu identifizieren. Die Recherchen deuteten jedoch bei mindestens zwei Schiffen auf den Ursprung der Lieferungen im Iran hin.
Die internationale Gemeinschaft müsse mehr tun, Unternehmen und Regierungen davon abzuhalten, „eine Lieferkette zu unterstützen, die zunehmend außer Kontrolle gerät“, betonte Ferrer. „Jeder Tag der Untätigkeit kostet weitere Menschenleben.“
In Myanmar hatte das Militär im Februar 2021 die gewählte Regierung von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi abgesetzt und seitdem Proteste der Bevölkerung mit tödlicher Gewalt bekämpft. Laut einem Bericht des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte vom Herbst vergangenen Jahres wurden seit dem Putsch mehr als 7.000 Menschen von Armeeangehörigen getötet und rund 30.000 verhaftet.


