Krankenkassen: Eigenanteile in Pflegeheimen steigen weiter

Krankenkassen: Eigenanteile in Pflegeheimen steigen weiter
Mehr als 3.000 Euro monatlich mussten Pflegebedürftige Ende 2025 im Schnitt für einen Heimplatz zahlen. Sozialverbände werfen der Politik Untätigkeit vor, Bundesgesundheitsministerin Warken mahnte mehr Eigenvorsorge an.
22.01.2026
epd
Von Nils Sandrisser und Jürgen Prause (epd)

Berlin (epd). Die Eigenanteile für einen Platz im Pflegeheim sind weiter deutlich gestiegen. Nach aktuellen Zahlen des AOK-Bundesverbands vom Donnerstag kletterte der Betrag, den die Pflegebedürftigen im ersten Jahr des Heimaufenthalts selbst aufbringen müssen, zwischen Juni und Ende Dezember 2025 im Bundesdurchschnitt um 112 Euro auf monatlich 3.204 Euro. Eine ebenfalls am Donnerstag veröffentlichte Analyse des Verbands der Ersatzkassen bezifferte diesen Wert sogar auf 3.245 Euro. Zuerst hatte das „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ berichtet.

Dabei gibt es zwischen den Ländern weiterhin enorme Unterschiede: Die höchsten Eigenanteile sind laut AOK mit 3.528 Euro in Nordrhein-Westfalen zu zahlen, die niedrigsten mit 2.661 Euro in Sachsen-Anhalt. Die Analyse der Ersatzkassen bezifferte die Eigenbeteiligung im ersten Jahr im Heim mit 3.637 Euro in Bremen am höchsten. Sachsen-Anhalt erreichte auch hier mit 2.720 Euro den niedrigsten Wert.

Mehr Verantwortung der Länder angemahnt

Die Chefin des AOK-Bundesverbandes, Carola Reimann, forderte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) auf, ihre Zusage einzulösen und das Problem der steigenden Eigenanteile mit der geplanten Pflegereform in den Griff zu bekommen. Zentrales Problem sei, dass Pflegeheim-Bewohner die Versäumnisse der Länder bei der Finanzierung der Investitionskosten ausgleichen müssten. „Wenn die Länder hier ihren Verpflichtungen für den Bau und die Instandhaltung der Heime nachkommen würden, könnte man eine deutliche Entlastung bei den Eigenanteilen erreichen“, sagte Reimann.

Auch der Direktor des Verbands der Privaten Krankenversicherung, Florian Reuther, brachte die steigenden Eigenanteile mit mangelnder Finanzierung durch die Länder in Verbindung. „Wer Pflege bezahlbar halten will, muss die Investitionskostenförderung der Länder deutlich erhöhen“, sagte Reuther. Zugleich dürfe die Debatte an den Pflegeheimen nicht enden. Da 80 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt würden, müsse eine Reform auch die ambulante Pflege stärken. Das entlaste zugleich die Heime.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, mahnte eine Deckelung der Pflegekosten auf 1.000 Euro an. Auch Brysch sagte, die Länder zögen sich bei ihrer Finanzierungspflicht bei Ausbildungs- und Investitionskosten aus der Verantwortung. Die Bundesregierung verstecke sich bei der Pflegefinanzierung „nur weiter hinter Kommissionen“, erklärte er.

VdK für Renditegrenzen und Dynamisierung

Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, forderte Renditegrenzen sowie ein Erwerbs- und Besitzverbot für Private-Equity-Fonds in der Pflegewirtschaft. Diese Gesellschaften trieben die Preise auf Kosten der Pflegebedürftigen und der Pflegequalität in die Höhe. Der VdK sprach sich außerdem für eine Dynamisierung der Leistungen in der Pflegeversicherung aus.

Der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands, Joachim Rock, drang auf eine solidarische Pflegevollversicherung. „Doch statt entschlossen zu handeln, setzen Bundesregierung und Länder mit dem sogenannten Zukunftspakt Pflege auf Stückwerk und halbgare Ankündigungen“, kritisierte er.

Bundesgesundheitsministerin Warken erklärte, die Eigenvorsorge werde wesentlicher Bestandteil der Absicherung im Pflegefall bleiben. Sie müsse daher gestärkt und attraktiv gestaltet werden.