Gütersloh (epd). Die ab 2028 geplante EU-weit einheitliche CO2-Bepreisung für Gebäude und Verkehr wird laut einer Studie die Menschen in den 27 Ländern der Europäischen Union finanziell sehr unterschiedlich belasten. In Deutschland, wo es bereits jetzt einen CO2-Preis im Gebäudebereich gibt, würden die Kosten bei einem zu erwartenden Einstiegspreis von etwa 60 Euro pro Tonne CO2 durchschnittlich um 17 Euro pro Jahr und Haushalt steigen, wie aus der am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung der Bertelsmann Stiftung hervorgeht. In Portugal, Irland, Dänemark und Schweden könnte das Heizen sogar billiger werden, weil der CO2-Preis dort schon jetzt oberhalb von 60 Euro pro Tonne CO2 liegt.
In osteuropäischen EU-Staaten wie Polen, Ungarn, Rumänien oder der Slowakei, wo noch nicht viel in den klimafreundlichen Umbau der Wärmeversorgung investiert wurde und es keinen nationalen CO2-Preis gibt, hätte eine EU-weite Einführung einen entsprechend sehr viel größeren Effekt, hieß es. Dort würde sich das Heizen für einen Haushalt im Durchschnitt zwischen 100 und rund 400 Euro pro Jahr verteuern.
Zusätzliche Investitionsförderung gefordert
In diesen Ländern findet sich laut Studie zudem die stärkste Konzentration an besonders betroffenen Haushalten, darunter viele Einfamilienhäuser. Diese zehn Prozent der Haushalte, die, gemessen an ihren finanziellen Möglichkeiten, die größten Mehrbelastungen durch den EU-einheitlichen CO2-Preis erfahren würden, verfügten nur über die Hälfte des durchschnittlichen Einkommens der Gesamtbevölkerung, hieß es.
Damit diese stark betroffenen Haushalte durch die Mehrkosten für fossiles Heizen nicht überlastet würden, brauche es gezielte Kompensationsmechanismen, sagte der Stiftungsexperte Thomas Schwab. Mit den Einnahmen aus dem CO2-Preis sei genug Geld vorhanden, um diese Unterstützung zu leisten. Dazu müssten die Mitgliedsstaaten der Europäischen Kommission nationale Klima-Sozialpläne vorlegen, die aufzeigen, wie sie das Geld verwenden wollen.
Zudem werde es nötig sein, den Umstieg der Privathaushalte auf klimafreundliche Heizungen staatlich zu fördern. Dafür brauche es auch Subventionsprogramme, die durch die Mitgliedstaaten finanziert werden, hieß es.
Für die Studie wurden den Angaben zufolge an einem Modell von 188 Millionen europäischen Haushalten die finanziellen Auswirkungen analysiert. Dazu wurden Datenquellen zu sozioökonomischen Merkmalen, der Wohnsituation in den Ländern sowie zu deren Heizsystemen herangezogen.


