Bonn, Köln (epd). Mehrere Hilfsorganisationen haben vor einer weiteren Verschlimmerung der humanitären Situation in der Ukraine gewarnt und mehr Hilfe für die Zivilbevölkerung angemahnt. „2025 war das tödlichste Jahr für Zivilistinnen und Zivilisten in der Ukraine seit der Eskalation des Krieges vor rund vier Jahren“, erklärte die internationale Hilfsorganisation Help am Dienstag in Bonn. So seien im vergangenen Jahr rund 2.400 Zivilisten durch die Angriffe getötet und fast 12.000 verletzt worden. Das seien fast 30 Prozent mehr als im Vorjahr gewesen.
Derzeit träfen besonders die Angriffe auf zivile Energie- und Heizinfrastruktur die Bevölkerung hart. „Die Attacken auf das ukrainische Energiesystem nehmen immer mehr zu. Die Folgen sind dramatisch: Stromausfälle, eingeschränkte Wasser- und Heizversorgung und damit zusätzliche Risiken für die betroffenen Menschen, insbesondere bei aktuell bis zu minus 25 Grad Celsius“, sagte der Help-Landesdirektor in der Ukraine, Oleksandr Novykov.
Leid der Bevölkerung übersteigt die „schlimmsten Befürchtungen“
Auch die Hilfsorganisation Care verweist auf die dramatische Lage. „Das Leid der Zivilbevölkerung in der Ukraine übersteigt inzwischen unsere schlimmsten Befürchtungen. Nacht für Nacht werden Energie- und Heizsysteme angegriffen - gezielt jene Infrastruktur, die Menschen am dringendsten brauchen, um bei eisigen Temperaturen zu überleben“, erklärte der Care-Länderdirektor in der Ukraine, Michael McGrath. Die Zivilbevölkerung bezahle derzeit „den höchsten Preis dieses Krieges“. Deshalb dürfe die internationale Gemeinschaft nicht wegsehen.
Die Hilfsorganisation Malteser hob die seelischen Folgen der andauernden Angriffe durch Russland hervor. „Unsere Psychologinnen und Psychologen warnen, dass sich der psychische Zustand der Menschen zunehmend verschlechtert“, sagte der Programmmanager von Malteser International in der Ukraine, Philipp Gliesche. „Stress wird, vor allem im Osten des Landes und der Hauptstadt, nicht mehr als akute Reaktion auf bestimmte Ereignisse wahrgenommen, sondern als permanenter Hintergrund des Lebens.“


