Berlin (epd). Rund dreieinhalb Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe in Pakistan ziehen 39 betroffene Bäuerinnen und Bauern gegen RWE und Heidelberg Materials vor Gericht. Sie forderten von den Unternehmen, die zu den größten deutschen CO2-Verursachern zählten, eine anteilige Entschädigung, teilten die Hilfsorganisation medico international und das „European Center for Constitutional and Human Rights“ (ECCHR) am Dienstag in Berlin mit. Eine entsprechende Klage wurde demnach vor dem Landgericht Heidelberg eingereicht. Die Unternehmen wiesen die Vorwürfe zurück.
Die beiden Organisationen, die die Landwirte aus der Provinz Sindh unterstützen, bezeichneten den Fall als bedeutenden Meilenstein „in der wachsenden globalen Bewegung, Großemittenten für die durch ihre Emissionen verursachten Klimaschäden rechtlich zur Verantwortung zu ziehen“.
1.700 Tote
Infolge überdurchschnittlich starker Regenfälle wurde Pakistan im Sommer 2022 von einer verheerenden Flutkatastrophe getroffen. Etwa ein Drittel des Landes stand laut den Vereinten Nationen zwischenzeitlich unter Wasser, 1.700 Menschen kamen ums Leben. Mehr als 33 Millionen Menschen waren insgesamt betroffen.
Den bei den knapp 40 Klägerinnen und Klägern entstandenen Gesamtschaden beziffern medico international und das ECCHR auf rund eine Million Euro. Ihre Felder seien überflutet und mindestens zwei Ernten zerstört worden. Die Organisationen argumentieren, dass der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit und Intensität der Regenfälle deutlich erhöht hat. Der Energiekonzern RWE und das Baustoffunternehmen Heidelberg Materials wiederum hätten durch ihre Emissionen „erheblich“ zur Erderwärmung beigetragen.
Unternehmen kritisieren Klage
Heidelberg Materials teilte auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd) mit: „Während wir uns zu der laufenden rechtlichen Auseinandersetzung nicht im Detail äußern können, weisen wir die vorgebrachten Behauptungen sowohl in sachlicher als auch in rechtlicher Hinsicht in vollem Umfang zurück.“ Die Logik und Argumentation der Klage könne man nicht nachvollziehen.
Zugleich verwies das Baustoffunternehmen auf Bemühungen, den CO2-Fußabdruck „radikal zu verringern“. Bei der Entwicklung von Zementen mit reduziertem Klinkeranteil werde Pionierarbeit geleistet.
Schäden für Industriestandort befürchtet
RWE erklärte, die Klage sei „der erneute Versuch, klimapolitische Forderungen in deutsche Gerichtssäle zu verlagern“. Eine zivilrechtliche Haftung deutscher Unternehmen für weltweite Klimafolgeschäden schade dem Industriestandort Deutschland massiv und stelle die Rechtssicherheit grundsätzlich in Frage, hieß es in einer Erklärung des Energiekonzerns.
Die beiden Unternehmen wurden nach Angaben von medico international und dem ECCHR Ende Oktober über die Schadensersatzansprüche informiert. Die Klage sei schließlich im Dezember eingereicht worden und stützt sich den Angaben zufolge unter anderem auf Paragraf 906 des Bürgerlichen Gesetzbuches, der den Schutz vor Einwirkungen auf Eigentum regelt.


