Kritik an Merz-Äußerungen zu Krankenstand

Kritik an Merz-Äußerungen zu Krankenstand
Bundeskanzler Merz hinterfragt die Zahl der Krankheitsfehltage in Deutschland. Damit stößt er auf Kritik. Rückenwind kommt von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Berlin (epd). Die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Tanja Machalet (SPD), stellt sich Äußerungen von Kanzler Friedrich Merz (CDU) über einen hohen Krankenstand in Deutschland entgegen. „Ich empfehle Herrn Merz, mal ein paar Tage den Dienstwagen zu verlassen und sich in die betriebliche Realität zu begeben, anstatt immer wieder die Mär zu verbreiten, die Deutschen seien zu bequem zum Arbeiten“, sagte sie dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (RND/Sonntag). Sie forderte, der Prävention mehr Gewicht zu geben.

„Die Allermeisten melden sich nicht aus einer Laune heraus krank, viele arbeiten bis zum Limit, so lange, bis gar nichts mehr geht und sie lange ausfallen - in der Produktion und ganz besonders im Gesundheits- und Pflegebereich“, betonte Machalet dem RND zufolge. Dies zeigten auch die Zahlen bei den psychischen Erkrankungen. Es brauche nicht „Anreize, sich krank zur Arbeit zu schleppen, sondern es braucht viel mehr präventive Maßnahmen innerhalb und außerhalb der Betriebe“, erklärte sie. Dazu zählten besserer Arbeitsschutz, mehr betriebliches Gesundheitsmanagement, mehr Vorsorgeleistungen und Maßnahmen zur Stärkung der mentalen Gesundheit.

KBV für Abschaffung telefonischer Krankschreibung

Rückendeckung für Merz kam hingegen von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). „Merz hat völlig recht: Deutschland hat im internationalen Vergleich einen sehr hohen Krankenstand“, sagte Vorstandsvorsitzender Andreas Gassen dem „Tagesspiegel“ (Sonntag). „Die allermeisten Menschen missbrauchen das System nicht, aber wir kennen alle das 'Montagsschnüpfchen.'“

Gassen sprach sich für „Karenztage oder Bonussysteme“ anstatt einer Krankschreibung in den ersten drei Tagen sowie gegen telefonische Krankschreibungen aus. „Die telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung lädt natürlich zum Missbrauch ein“, sagte er den Zeitungen. „Am Telefon kann doch niemand zuverlässig beurteilen, ob jemand wirklich arbeitsunfähig ist oder nicht.“