Bonn (epd). Der rheinische Präses Thorsten Latzel warnt vor einer populistischen Misstrauens- und Empörungskultur. Eine solche Haltung führe zu einer „demokratiegefährdenden Zerstörungslust“ und zu einer „Faszination des Radikalen“, sagte der leitende Theologe der Evangelischen Kirche im Rheinland am Freitag in Bonn. Vertrauensverlust sei eine der größten Herausforderungen für die liberale Demokratie. Das zeige das Erstarken eines populistisch-autoritären Denkens, das in einer Misstrauenskultur gedeihe.
Misstrauen wirke als soziales Gift, sagte Latzel in seinem Jahresbericht vor dem rheinischen Kirchenparlament, der Landessynode. Das führe zu einer Grundhaltung des Verdachts gegen Medien, Politik, Justiz, Institutionen und Kirchen. Kritik äußerte der 55-jährige Theologe auch an einer Instrumentalisierung von Religion. Als Beispiele nannte er Islamisten, eine religiöse Legitimierung des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine durch die russisch-orthodoxe Kirche sowie US-Präsident Donald Trump, der sich als messianische Rettergestalt darstelle, oder evangelikale Christen in den USA, die zu den treuesten Trump-Wählern gehörten.
Kirche kann zu Vertrauen beitragen
„Wir erleben eine Verquickung von Politik, Populismus und Religion, die sich noch verstärken kann“, warnte Latzel. Er beklagte auch ein aggressives Verhalten der Großmächte USA, Russland und China sowie eine „massive Militarisierung“. Das könne Einzelne und die Gesellschaft überfordern. Auch die Kirche sei „Teil einer mit sich selbst überforderten Welt“.
In dieser Lage könne die Kirche zu neuem Vertrauen in der Gesellschaft beitragen, indem sie sich an Jesus Christus orientiere, betonte der rheinische Präses. Es gelte, eine „neue Christus-Frömmigkeit“ zu entfalten, die „nicht binnenkirchlich, frömmelnd ist, sondern zur Orientierung in einer überkomplexen Welt verhilft“.


