Bonn, Genf (epd). Kein weiterer Klima-Rekord, aber außergewöhnlich hohe Temperaturen: 2025 war laut dem EU-Klimadienst Copernicus das drittwärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Den am Mittwoch veröffentlichten Daten zufolge war es mit einer globalen Durchschnittstemperatur von 14,97 Grad Celsius nur geringfügig kühler als in den bisher heißesten Jahren 2024 und 2023. Zu ähnlichen Schlüssen kommt eine von der Weltwetterorganisation WMO vorgelegte Analyse.
Laut den Copernicus-Daten, die vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (EZMW) veröffentlicht wurden, lagen die globalen Temperaturen erstmals auch im Dreijahresschnitt um mehr als 1,5 Grad Celsius über dem Niveau der vorindustriellen Zeit. Bezogen auf ein Jahr war diese international vereinbarte Grenze bereits 2024 überschritten worden.
Trend zu heißerem Klima
Auch seien die vergangenen elf Jahre die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen gewesen, hieß es. Copernicus-Direktor Carlo Buontempo sprach von einem weiteren „Beweis für den unverkennbaren Trend zu einem heißeren Klima“. Die Welt nähere sich rasch der im Pariser Abkommen festgelegten langfristigen Temperaturgrenze, sagte Buontempo und warnte: „Wir werden sie zwangsläufig überschreiten.“
Die am Mittwochnachmittag von der WMO vorgelegte Analyse bestätigt die grundsätzlichen Trends der Copernicus-Daten, weicht aber in Details von ihnen ab. So zählt die UN-Sonderorganisation 2025 zwar zu den drei wärmsten jemals gemessenen Jahren, legt sich aber bei der genauen Reihenfolge nicht fest. In sechs herangezogenen Datenreihen landet 2025 auf dem dritten Platz, in zwei Datenreihen allerdings sogar auf Platz zwei, wie die Fachleute erläuterten.
Hitzewellen, Starkregen, Wirbelstürme
Auch mit Blick auf die 1,5-Grad-Schwelle, deren langfristiges Überschreiten schwerwiegende Folgen für das Klimasystem hätte, gibt es leichte Abweichungen. Ausgehend von den insgesamt acht berücksichtigten Datensätzen nennt die WMO für die vergangenen drei Jahre eine durchschnittliche Erwärmung um 1,48 Grad. Graduelle Unterschiede seien auf unterschiedliche Erhebungsmethoden bei den insgesamt acht herangezogenen Datenreihen zurückzuführen, hieß es.
Das 1,5-Grad-Ziel ist für das Klimasystem wichtig und zudem symbolisch aufgeladen. 2015 hatte sich die Staatengemeinschaft vorgenommen, die Erderwärmung auf möglichst 1,5 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. Eine dauerhafte Überschreitung hätte weltweit schwerwiegende Folgen, etwa weil Hitzewellen oder andere Extremwetterereignisse wie Starkregen und Wirbelstürme zunähmen. Auch sind viele Ökosysteme gefährdet.
1,5-Grad-Ziel in Gefahr
Entscheidend für das 1,5-Grad-Ziel ist die langjährige Durchschnittstemperatur. Obwohl ein Überschießen von 1,5 Grad in einzelnen Jahren also noch kein Scheitern bedeutet, äußerte sich die Strategische Leiterin für Klima beim Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (EZMW), Samantha Burgess, besorgt. Das aktuelle Niveau der Erderwärmung werde auf 1,4 Grad geschätzt, sagte Burgess. Wenn sich die Erwärmungsrate der vergangenen 15 Jahre fortsetze, könnte die 1,5-Grad-Grenze bereits bis Ende dieses Jahrzehnts überschritten sein.
Neben den klimaschädlichen Treibhausgasen in der Atmosphäre sind laut Copernicus die hohen Meeresoberflächentemperaturen dafür verantwortlich, dass die vergangenen drei Jahre außergewöhnlich warm waren. Dies hänge mit dem Wetterphänomen El Niño und „anderen Faktoren der Ozeanvariabilität“ zusammen, die durch den Klimawandel verstärkt worden seien. Zudem verwiesen die Fachleute auf Veränderungen in der Menge der Aerosole, niedrige Wolken sowie Schwankungen in der atmosphärischen Zirkulation.


