Krankenkasse fordert geringere Medikamentenpreise

Krankenkasse fordert geringere Medikamentenpreise
Fast viereinhalb Milliarden Euro ließen sich jedes Jahr sparen, wenn nur die umsatzstärksten Arzneimittel in Deutschland genauso wenig kosteten wie in anderen Ländern, rechnet die Techniker Krankenkasse vor. Sie schlägt ein Bündel von Maßnahmen vor.

Hamburg (epd). Die Techniker Krankenkasse (TK) kritisiert die aus ihrer Sicht zu hohen Medikamentenpreise in Deutschland. „Verglichen mit den Arzneimittelpreisen in Norwegen, Südkorea oder Japan beispielsweise zahlen wir in Deutschland eindeutig zu viel für dieselben Produkte“, erklärte der TK-Vorstandsvorsitzende Jens Baas am Mittwoch in Hamburg.

Der Gesetzgeber müsse dringend Maßnahmen zur Ausgabensenkung ergreifen, sagte Baas weiter. Die TK bezifferte das Einsparpotenzial für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) auf jährlich 4,37 Milliarden Euro, wenn nur die 30 umsatzstärksten Medikamente auf das internationale Preisniveau angeglichen würden. Im Jahr 2024 hätten allein die 10 umsatzstärksten Produkte mehr als elf Prozent der GKV-Ausgaben verursacht, obwohl sie nur ein Prozent der abgegebenen Packungen ausmachten.

TK schlägt drei Maßnahmen vor

Die TK forderte ein Absenken der Umsatzsteuer auf Arzneimittel von 19 auf 7 Prozent sowie eine Erhöhung des Abschlags, den Hersteller auf patentierte Medikamente gewähren müssen, von 12 auf 17 Prozent. Zudem sollten sogenannte Fokuslisten eingeführt werden, aus denen Krankenkassen unter vergleichbaren Arzneimitteln eine wirtschaftliche Auswahl treffen könnten, schlug die mitgliederstärkste deutsche Krankenkasse vor.

Baas wandte sich gegen Bedenken, wonach geringere Preise für Medikamente den Produktionsstandort Deutschland gefährden würden. Die Pharmaindustrie erwirtschafte in Deutschland nur rund 0,8 Prozent der Bruttowertschöpfung. Das bedeute Platz sieben in Europa, obwohl Deutschland gleichzeitig die höchsten Arzneimittelausgaben pro Kopf habe. „Hohe Listenpreise in der gesetzlichen Krankenversicherung garantieren uns keine Arzneimittelproduktion in Deutschland und Europa“, sagte Baas. „Sie erhöhen nur die Margen für die pharmazeutischen Unternehmen und belasten die Beitragszahlenden in der GKV.“