Jede fünfte Person in Deutschland denkt über Auswanderung nach

Jede fünfte Person in Deutschland denkt über Auswanderung nach
Eine aktuelle Studie des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung zeigt: Auswanderung ist für viele Menschen denkbar, insbesondere für Menschen mit Einwanderungsgeschichte.

Berlin (epd). Mehr als jede fünfte Person in Deutschland kann sich eine Auswanderung vorstellen. Das zeigt eine repräsentative Studie des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM), für die 2.933 Menschen über ein Jahr hinweg befragt wurden. Wie das Institut am Freitag in Berlin mitteilte, sei es für insgesamt 21 Prozent der deutschen Bevölkerung denkbar, das Land zu verlassen.

Dabei zögen insbesondere Menschen mit Einwanderungsgeschichte einen solchen Schritt in Betracht. So liege der Wert unter Eingewanderten bei 34 Prozent, bei ihren Nachkommen sogar bei 37 Prozent. Besonders Menschen mit familiärem Bezug in die Türkei und in den Nahen Osten, aber auch Menschen mit Wurzeln in der ehemaligen Sowjetunion hielten es für denkbar, zu emigrieren, hieß es. Unabhängig von der familiären Herkunft zeige die Studie, dass vor allem die Nachkommen Zugewanderter aufgrund von schlechterer Behandlung und Benachteiligung eine Auswanderung erwägen.

Gründe: Hoffnung auf bessere Lebensqualität und Diskriminierung

Unabhängig von ihrer Einwanderungsvergangenheit erhoffen sich der Studie zufolge mehr als die Hälfte der Befragten eine bessere Lebensqualität außerhalb Deutschlands. Doch auch Diskriminierungserfahrungen spielen dem DeZIM zufolge eine Rolle: 18 Prozent der Eingewanderten und 24 Prozent ihrer Nachfahren gaben an, deshalb eine Auswanderung in Betracht zu ziehen. Unter den Menschen ohne Einwanderungsgeschichte nannten nur fünf Prozent der Befragten Diskriminierung als Grund. Für fast die Hälfte der Befragten mit Einwanderungsgeschichte aus der ehemaligen Sowjetunion sei auch aus finanziellen Gründen eine Auswanderung denkbar, erklärten die Autorinnen und Autoren. Dies gelte auch für 31 Prozent der Befragten ohne Migrationsgeschichte.

Auch wenn nur zwei Prozent aller Befragten bereits konkrete Auswanderungspläne habe, lieferten die Daten Hinweise auf die künftige Entwicklung der Emigration aus Deutschland, hieß es. Angesichts der alternden Bevölkerung und zunehmenden Mangels an Arbeitskräften müsse das Thema Auswanderung in den Blick genommen werden.