Theologin: Großer Bedarf für "Seelsorge to go"

Theologin: Großer Bedarf für "Seelsorge to go"
Ob Bedrückendes oder Beglückendes: Pfarrerinnen und Pfarrer haben für verschiedenste Anliegen ein offenes Ohr. Warum die evangelische Kirche in Heidelberg mit der "Seelsorge to go" direkt in die Fußgängerzone geht, erklärt eine Pfarrerin.
08.01.2026
epd
epd-Gespräch: Christine Süß-Demuth

Heidelberg (epd). Es ist eine Einladung zum Gespräch, für Einwohner ebenso wie für Touristen: Die „Seelsorge to go“ der evangelischen Kirche in Heidelberg gibt es als regelmäßiges Angebot seit mehr als einem Jahr. Für viele sei es einfach gut zu wissen, „da gibt es eine Anlaufstelle und jemanden, mit dem man sprechen kann“, erläutert Pfarrerin Christiane Bindseil im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Entstanden sei das Angebot aus dem Gedanken heraus: „Wenn Menschen nicht in die Kirche kommen, gehen wir dahin, wo sie sind“, erläutert Bindseil. In diesem Fall sei das die belebte Fußgängerzone in Heidelberg. Sie bezeichnet das als „analoge Präsenz“, als Kirche sichtbar sein.

Gegenpol zu anderen religiösen Gruppen

Das Motto: „Sprechen Sie uns gerne an, mit Ihren kleinen und großen Anliegen, Sorgen oder einfach dem, was Sie gerade bewegt und das Sie teilen möchten.“ Öfter gebe es spontane Reaktionen wie „schön, dass es das Angebot gibt“.

Wichtig ist es der evangelischen Theologin, einen Gegenpol zu anderen religiösen Gruppierungen und evangelikalen Gruppen zu bieten: „Wir überreden niemanden zu irgendetwas.“ Die Menschen könnten mit ihren Fragen und Anliegen kommen, so wie sie sind: „Wir haben ein offenes Ohr.“

Sorgen um die Zukunft

Dabei änderten sich die Themen, die die Menschen bewegen, kaum. Viele sorgten sich um ihre Zukunft und hätten „Angst, was kommt auf uns zu“, sagt Bindseil. Die „politische Großwetterlage“ beschäftige viele, unabhängig von Feiertagen oder der Jahreszeit.

Auch Touristen und Neugierige würden stehen bleiben. Sie wollten manchmal nur wissen, wie sie etwa zur viel besuchten Heiliggeistkirche am Marktplatz kommen. Neben Small Talk drehten sich die Gespräche um ganz unterschiedliche Themen. So werde auch die Frage gestellt: „Warum geht man in eine Kirche?“

Intensive Seelsorgegespräche

Orthodoxe Christen wunderten sich etwa, warum die Kirche als Sakralraum so schlicht sei und fragten nach dem Priester. Manche seien überrascht, dass es in der evangelischen Kirche auch Pfarrerinnen gibt. Auch sonst gehe es immer mal wieder um das Thema „Frau und Pfarramt“.

Manchmal gebe es auch sehr intensive Gespräche. Dabei gehe es „um das ganze Leben“, etwa Suchtprobleme, schwere Erkrankungen oder Tod und Trauer. Solche Gespräche könnten schon mal länger als eine Stunde dauern. Zeit, die sich die Seelsorgerinnen und Seelsorger gerne nehmen.

Kirche direkt bei den Menschen

Es gebe einen großen Bedarf für das niederschwellige Angebot. „Deshalb sind wir das ganze Jahr über jeden Samstag mit zwei Seelsorgenden vor der Providenzkirche“, sagt die evangelische Theologin.