Berlin (epd). Die klimaschädlichen Emissionen in Deutschland sind im vergangenen Jahr nur geringfügig zurückgegangen. Nach vorläufigen Berechnungen des Thinktanks Agora Energiewende ergab sich ein Minus von 1,5 Prozent im Vergleich zu 2024, wie die Organisation am Mittwoch in Berlin mitteilte. Umweltorganisationen reagierten mit scharfer Kritik an der Bundesregierung.
Laut den Agora-Daten wurden 2025 in Deutschland 640 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) verursacht, neun Millionen Tonnen weniger als 2024. Der Rückgang fiel demnach weniger als halb so stark aus wie von 2023 zu 2024. In den Bereichen Verkehr und Gebäude sei sogar mehr CO2 ausgestoßen worden als 2024, erklärte Agora Energiewende. Diese Entwicklung komme „nach Jahren unzureichender Fortschritte vor allem beim Umstieg auf E-Autos und Wärmepumpen“.
Das nationale Emissionsziel für 2025 von maximal 662 Millionen Tonnen CO2 sei den Berechnungen zufolge eingehalten worden, teilte die Organisation weiter mit. Allerdings ergebe sich „beim aktuellen Minderungstempo“ eine Klimaschutzlücke mit Blick auf das Jahr 2030. Damit das für jenes Jahr gesetzte Ziel erreicht werden könne, „müssen ab 2026 jährlich durchschnittlich 36 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden - also vier Mal so viel wie 2025“.
Arbeit an Klimaschutzprogramm „unter Hochdruck“
Agora Energiewende forderte die Bundesregierung auf, ein wirksames Klimaschutzprogramm aufzulegen, um das Tempo wieder zu steigern. Das Bundesumweltministerium hatte das Programm ursprünglich bis Jahresende 2025 vorlegen wollen, verschob es im Dezember aber auf Anfang 2026. Gesetzlich ist ein entsprechender Kabinettsbeschluss bis Ende März vorgeschrieben.
Ein Sprecher des Bundesumweltministeriums sagte in Berlin, derzeit laufe „unter Hochdruck“ die Abstimmung zu den Vorschlägen der einzelnen Ressorts für das Programm. Dieses solle „in Kürze“ dem Expertenrat für Klimafragen zur Stellungnahme vorgelegt werden. Bereits seit Längerem sei klar, dass weitere Maßnahmen nötig seien, um mit Blick auf 2030 Kurs halten zu können, fügte der Sprecher hinzu.
WWF beklagt Rückschritte
Die Klimachefin des WWF, Viviane Raddatz, warf der Bundesregierung mangelndes Engagement vor. Schwarz-Rot antworte „auf eine der größten Krisen unserer Zeit mit Rück- statt Fortschritten“, erklärte sie. Raddatz verwies dabei auf die angekündigte Abschaffung des Heizungsgesetzes und das Aufweichen des europäischen Neuzulassungsstopps für Verbrenner-Autos.
Die Deutsche Umwelthilfe äußerte die Auffassung, dass die Regierung bereits jetzt gegen das Klimaschutzgesetz verstoße. Sie nehme „sehenden Auges das Verfehlen ihrer eigenen gesetzlichen Verpflichtungen in Kauf“, argumentierte Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch.
Deutschland hat sich verpflichtet, die Treibhausgasemissionen bis 2030 um 65 Prozent gegenüber 1990 zu mindern. Bis 2045 soll der Netto-Ausstoß auf null sinken. Den Agora-Berechnungen zufolge lagen die Emissionen im vergangenen Jahr um 49 Prozent unter denen von 1990. Die offiziellen Daten für 2025 legt voraussichtlich im März das Umweltbundesamt vor.


