Berliner Stromausfall schürt Sorgen um mangelnden Katastrophenschutz

Berliner Stromausfall schürt Sorgen um mangelnden Katastrophenschutz
Der große Stromausfall in Berlin zeigt laut dem Deutschen Roten Kreuz die Verletzlichkeit der kritischen Infrastruktur. Auch Klinikvertreter und Kassenärzte sehen große Defizite und fordern Investitionen.
07.01.2026
epd
Von Lino Wimmer (epd)

Berlin (epd). Nach dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz beklagt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) fehlende Investitionen des Bundes in den Bevölkerungsschutz. Der Vorfall zeige, wie anfällig die kritische Infrastruktur sei und welche Bedeutung der Schutz der Bevölkerung habe, sagte Verbandspräsident Hermann Gröhe dem „RedaktionsNetzwerk Deutschland“ (Mittwoch). Die Deutsche Krankenhausgesellschaft und die Kassenärztliche Bundesvereinigung sehen gerade das Gesundheitssystem nicht ausreichend für Katastrophenfälle gerüstet.

Gröhe sagte, es müsse für die Bewältigung von Lagen wie der in Berlin eine „ausreichende Bevorratung an Materialien“ geben. Ein Beispiel seien mobile Betreuungsmodule, die bei einer länger andauernden Krisensituation zum Einsatz kommen könnten. „Durch sie könnten im Krisenfall jeweils 5.000 Personen wie in einer kleinen Stadt eigenständig versorgt werden - mit Wasser, Energie und Gesundheits- sowie sozialen Angeboten.“

Deutschlandweit würden mindestens zehn solcher Module gebraucht, so sei es auch politisch vorgesehen gewesen. Ausfinanziert seien bislang jedoch nur anderthalb Module. „Im aktuellen Bundeshaushalt sind keine Finanzmittel für weitere Module eingestellt“, kritisierte der frühere CDU-Bundesgesundheitsminister.

Kliniken sehen Milliarden-Investitionsbedarf

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft mahnt insbesondere einen besseren Schutz der Stromversorgung an. Ein „vollumfänglicher Routinebetrieb“ der Kliniken könne allein über Notstromaggregate nicht sichergestellt werden, sagte Vorstandschef Gerald Gaß der „Augsburger Allgemeinen“. Zwar seien Krankenhäuser in der Regel mit solchen Geräten ausgestattet, diese sicherten jedoch nur für begrenzte Zeit einen Grundbetrieb. Die Kliniken seien daher zwingend auf eine funktionierende Gesamtinfrastruktur angewiesen.

„Allein für den Schutz vor Cyberangriffen und Sabotage benötigen wir Investitionen von rund 2,7 Milliarden Euro“, sagte Gaß weiter. Um die Klinken auf einen möglichen Verteidigungsfall vorzubereiten, seien sogar 14 bis 15 Milliarden Euro nötig.

Kassenärzte: Kein Konzept für große Zahl Verwundeter

Kassenärztechef Andreas Gassen lenkte den Blick ebenfalls auf die angespannte Sicherheitslage. „Auf einen Angriff mit Tausenden Opfern, nach dem zur Versorgung Verwundeter auch die Praxen gebraucht würden, sind wir nicht ansatzweise vorbereitet“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Auch vier Jahre nach dem russischen Überfall auf die Ukraine gibt es kein Konzept des Bundes zur optimalen Nutzung aller ärztlichen Strukturen und zur Lösung von Problemen der Lagerung.“

Auch Gassen sieht zudem großen Handlungsbedarf beim Schutz der Infrastruktur. „Wobei wir alle blank sind, das ist die hybride Kriegsführung, etwa wenn die Versorgung mit Strom oder Wasser unterbrochen würde“, sagte er.

Im Berliner Südwesten war am Samstagmorgen großflächig der Strom ausgefallen, zehntausende Haushalte waren betroffen. Auslöser war ein Brandanschlag, den die linksextremen „Vulkangruppen“ für sich reklamierten. Laut dem Berliner Senat sollte die Stromversorgung im Laufe des Mittwochs komplett wieder hergestellt werden, einen Tag früher als zunächst erwartet.