Berlin, Caracas (epd). Nach dem US-amerikanischen Angriff auf Venezuela und der Festnahme von Staatschef Nicolás Maduro hat das Oberste Gericht des Landes die bisherige Vizepräsidentin Delcy Rodríguez zur neuen Präsidentin ernannt. Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur AVN am Samstagnachmittag (Ortszeit). Laut der Verfassung stehe ihr das Amt aufgrund der erzwungenen Abwesenheit von Maduro zu.
In ihrem neuen Amt erklärte Rodríguez, sie stehe fest hinter Maduro als Präsidenten und widersprach Aussagen von US-Präsident Donald Trump, sie sei bereit, mit den USA zu kooperieren. „Wir werden nie wieder eine Kolonie, egal von welchem Imperium“, erklärte Rodríguez laut der staatlichen Zeitung „Correo del Orinoco“.
Machado schlägt González als Präsidenten vor
Als Reaktion auf die Festnahme erklärte die venezolanische Oppositionelle und Friedensnobelpreisträgerin Maria Machado, anstatt Rodríguez solle Edmundo González das Amt des Präsidenten übernehmen. González hatte 2024 bei den Präsidentschaftswahlen in Venezuela kandidiert. Nach einer offensichtlichen Wahlfälschung zugunsten von Maduro hatte sich González ebenfalls zum Wahlsieger ernannt. Er lebt derzeit im spanischen Exil und wird unter anderem von den USA und einzelnen weiteren Staaten als „gewählter Präsident“ betrachtet.
Die USA hatten Venezuela in der Nacht zum Samstag angegriffen, Präsident Nicolás Maduro wurde festgesetzt und außer Landes gebracht. Der 63-Jährige, der das Land seit 2013 zunehmend autoritär regiert hatte, soll in den USA wegen Terrorismus und Drogenhandels vor Gericht gestellt werden.
Die USA wollen laut Trump auf unbestimmte Zeit die Kontrolle in dem Land übernehmen, bis ein „ordnungsgemäßer Transfer“ der Macht erfolgen könne. Er hatte mehrfach mit einem Militärschlag gegen Venezuela gedroht und begründete das mit der Bekämpfung des Drogenhandels. Zudem sollen US-Firmen nun wieder eine zentrale Rolle in der Erdölindustrie des Landes bekommen, die in den 70er Jahren verstaatlicht worden war.

