Berlin (epd). Historische Gedenkstätten in Deutschland sind nach Zahlen der Bundesregierung in diesem Jahr bereits mehr als 280 Mal Ziel von Straftaten gewesen. Das zeigt eine Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion, die dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt. Am häufigsten kam es demnach zu Sachbeschädigungen.
Seit 2019 erfasst die polizeiliche Kriminalstatistik unter dem Begriff „Gedenkstätte“ Straftaten und Angriffe auf alle Gedenkstätten, darunter auch solche mit Bezug zum Nationalsozialismus, Ehrenmale, Gedenktafeln, „Stolpersteine“ und Mahnmale. In der Statistik werden auch Fälle von politisch motivierter Kriminalität erfasst, aber keine sogenannten Staatsschutzdelikte wie etwa der Messerangriff auf einen Touristen am Berliner Mahnmal für die ermordeten Juden im Februar.
Insgesamt mehr als 460 Übergriffe gemeldet
Im abgefragten Zeitraum zwischen dem 1. Juli 2024 und dem 31. Oktober 2025 kam es insgesamt zu mehr als 460 gemeldeten Übergriffen gegen Gedenkstätten. Jahresvergleiche sind nach Auskunft der Bundesregierung nur schwer möglich.
Unter den 462 Taten seit Juli vergangenen Jahres waren mehr als 60 Mal größere NS-Gedenkstätten Ziel von Delikten wie Sachbeschädigung, Störung der Totenruhe, Volksverhetzung oder Propagandadelikten. Die Aufklärungsquote ist oft gering. Für die Fälle aus dem Jahr 2024 belief sie sich den Angaben zufolge auf knapp 5 Prozent, bei den Fällen aus dem Jahr 2025 auf knapp 7 Prozent.
In der deutlichen Mehrheit der Fälle (über 60 Prozent) wurden die Straftaten dem rechten Spektrum zugeordnet. In nur acht Prozent der Fälle wurde eine ausländische, darunter auch eine islamistische, Ideologie vermutet. Etwas häufiger, nämlich in knapp 14 Prozent der Fälle, war die Tat den Angaben zufolge links motiviert.




