Auerbach (epd). Die Kommunikationstrainerin Birgit Barth sieht in knapper werdenden Briefen, E-Mails und Kurznachrichten keinen Verlust an Höflichkeit. „Statt langatmiger Allgemeinplätze und Banalitäten liest man heute eher klare, direkte Sätze“, sagte die als Dozentin, Trainerin und Business-Coach tätige Barth aus dem oberpfälzischen Auerbach dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Es geht darum, höflich und auf den Punkt zu kommunizieren. Nicht gespickt mit irgendwelchen Hauptwörtern, Phrasen oder Leerformeln“, sagte die Betriebswirtin, die in Knigge-Seminaren moderne Umgangsformen lehrt.
Besonders junge Menschen hätten oft Schwierigkeiten mit traditionellen Gruß- und Anredeformen, fügte Barth hinzu. „Sehr verehrte Damen und Herren“ wirke veraltet, während Formulierungen wie „Lieber Herr“ oder „Liebe Frau“ oft als zu aufdringlich empfunden würden. Neutralere Begrüßungen wie „Hallo“ oder „Guten Tag“ setzten sich daher durch. Nach Barths Einschätzung hängt die Entwicklung auch mit der Informationsflut im Alltag zusammen. Empfänger würden lange Texte nur noch überfliegen, weshalb Schreiben kürzer und zielgerichteter verfasst würden.
Auch die Nutzung von Textbausteinen oder Künstlicher Intelligenz bewertet die Kommunikationstrainerin positiv - solange das Ergebnis der eigenen Situation angepasst werde und die persönliche Authentizität erkennbar bleibe. Wichtig sei es, so Barth, grundlegende Höflichkeit nicht aus dem Blick zu verlieren: „Bitte, Danke und Entschuldigung! Das sind drei wichtige Wörter, die man öfter benutzen sollte.“
Insgesamt habe ein Wandel stattgefunden, „die Sprache ist nicht statisch“, sagte Barth. Vielen gehe es darum, Distanz abzubauen und auf Augenhöhe zu kommunizieren. Man schätze heute zudem mehr die Zeit des Lesers - also die Person, die den Brief bekommt. In der schriftlichen Kommunikation ersetzten die Worte den fehlenden Blickkontakt und die Körpersprache - „Dinge wie ein Lächeln, das nicht sichtbar ist“. In 48 Stunden sollte eine E-Mail beantwortet sein, unterstrich Barth: „Das schaffe ich offen gesagt selbst nicht immer. Ich kann mich aber auch für eine Mail bedanken und um Verständnis bitten, dass ich erst so spät antworte.“