Menschenrechtsinstitut besorgt über sexuelle Ausbeutung von Kindern

Menschenrechtsinstitut besorgt über sexuelle Ausbeutung von Kindern

Berlin (epd). Das Institut für Menschenrechte zeigt sich besorgt über die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Die Zahl der betroffenen Minderjährigen sei „erschreckend hoch“, erklärte die Berichterstattungsstelle Menschenhandel der Organisation am Freitag in Berlin. Nach dem vom Bundeskriminalamt (BKA) veröffentlichten Bundeslagebild „Menschenhandel und Ausbeutung 2024“ sind 232 Kinder und Jugendliche identifiziert worden, die kommerziell sexuell ausgebeutet wurden. 2023 gab es in dem Bereich 229 minderjährige Opfer.

Unter kommerzieller sexueller Ausbeutung von Minderjährigen versteht man sexuellen Missbrauch von Kindern durch Erwachsene gegen Bezahlung, wobei das Kind sowohl als Sexualobjekt als auch als Ware behandelt wird.

Das Institut für Menschenrechte vermutet, dass weitaus mehr Kinder und Jugendliche betroffen sind, „da viele Fälle sexualisierter Gewalt nicht als sexuelle Ausbeutung und Menschenhandel erkannt und registriert werden“. Die Organisation fordert mehr Schulungen für Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe in Deutschland sowie mehr spezialisierte Beratungsstellen.

Man nehme das Phänomen sehr ernst, sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums am Freitag in Berlin zu dem am Donnerstag veröffentlichten BKA-Lagebild. Ein Sprecher des Bundesjustizministeriums ergänzte, dass man mit strafrechtlichen Reformen den Kampf gegen den Menschenhandel verbessern wolle. Eine entsprechende EU-Richtlinie ziele darauf ab, die Strafrechtsnormen gegen Menschenhandel kohärenter und praxistauglicher zu gestalten. Ein Gesetzesentwurf zur Umsetzung der Richtlinie werde derzeit erarbeitet und könne in absehbarer Zeit vorgestellt werden.

Insgesamt sind 2024 die Verfahren wegen Menschenhandels und Ausbeutung um rund 13 Prozent auf 576 Fälle gestiegen. Einen Schwerpunkt bei den abgeschlossenen Verfahren verzeichnet das Bundeskriminalamt im Bereich der sexuellen Ausbeutung: Mit 364 Fällen sei ein neuer Höchststand innerhalb der vergangenen zehn Jahre erreicht worden. Diese Form der Ausbeutung findet dem BKA zufolge zunehmend in privaten Wohnungen statt. Der Bereich sei schwer zu kontrollieren und lasse deshalb auf ein besonders hohes Dunkelfeld schließen.