Lüneburg (epd). Ein neues Dokumentationszentrum in Lüneburg erinnert an mehr als 2.000 Krankenmorde in der NS-Zeit. Der Gedenkort auf dem Parkgelände der Psychiatrischen Klinik wurde in den vergangenen drei Jahren grundlegend umgestaltet und erweitert. Offizielle Eröffnung ist am Sonntag, wie die „Euthanasie“-Gedenkstätte am Freitag mitteilte.
Dokumentiert sind Taten aus der einstigen „Heil- und Pflegeanstalt“ und dem Städtischen Krankenhaus in Lüneburg. Mindestens 440 Kinder und Jugendliche seien Opfer der „Kinder-Euthanasie“ geworden, so der Erkenntnisstand der Gedenkstätte. Auch rund 300 ausländische Erkrankte wurden umgebracht, zahlreiche weitere Patienten starben an mangelnder Versorgung. „Euthanasie“ bedeutet wörtlich „guter Tod“ und war in der NS-Zeit der verschleiernde Begriff für die Tötung von Menschen mit körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderungen.
Die neue Dauerausstellung in der Lüneburger Gedenkstätte trägt den Titel „Lebenswert“. In fünf Räumen geht es um das Denken, das den Krankenmord vorbereitete, um das Handeln der Täter und die Lebensgeschichten der Opfer. Ein Thema sei auch, „wie ungebrochen die Gewalt in der Nachkriegspsychiatrie bis heute fortgesetzt wurde“, heißt es in der Ankündigung.
Die Ausstellung ist barrierefrei konzipiert, um auch Menschen mit Beeinträchtigungen zu erreichen. Informationen stehen etwa in Leichter Sprache oder als Hörfassung zur Verfügung. Außerdem gibt es eine Version auf Englisch und auf Polnisch. Gefördert wurde der Ausbau des Gedenkortes unter anderem vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten.