Ehre dem Vater statt Ehre dem Bier

dpa/Wolfgang Kumm

Schlauchboot fahren mit Bier - beliebt am Vatertag, aber die Kirchen sprechen sich gegen die Verehrung des Hopfengebräus aus.

Ehre dem Vater statt Ehre dem Bier
Vatertag ja, aber nicht so: Vor Christi Himmelfahrt empfehlen Vertreter der evangelischen Kirche, auf die üblichen Trinkgelage zu verzichten. Einen Tag zu Ehren der Väter halten sie aber für sinnvoll.
16.05.2012
Michael Grau und Lukas Philippi
epd

Hemmungslose Besäufnisse in freier Natur sind an Himmelfahrt gang und gäbe. Unmittelbar vor dem diesjährigen Feiertag hat die Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, Petra Bahr, die verbreiteten Vatertagsfeiern als "denkbar schlicht" kritisiert. Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister sagte: "Wer so etwas als Vater tut, sollte noch mal überlegen, ob er seinen Kindern wirklich gerecht wird."

Bahr sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), es habe mit Festkultur und der Ehre der Vaterrolle wenig zu tun, wenn der Vatertag nur bedeute, dass sich Väter betrinken. Glaubwürdiger wäre es, Väter ähnlich wie Mütter am Muttertag zu feiern und ihnen Geschenke zu machen, "anstatt sie zu zwingen, sich mit anderen Vätern zusammenzurotten und den Verstand zu verlieren".

Österreicher feiern seit 1955 einen Vatertag

"Die Idee, Väter mit einem eigenen Tag im Jahr zu ehren, ist toll", sagte Bahr. Nur die Art, wie er in vielen Teilen Deutschlands begangen werde, sei "auch für viele Väter reichlich irritierend".

Einen Ausweg zeigt der evangelische Bischof Meister auf, selbst Vater dreier Kinder: Er wünscht sich einen von Christi Himmelfahrt losgelösten Vatertag. Nach österreichischem Vorbild könne ein Sonntag nach Pfingsten im Frühsommer in Kirche und Gesellschaft dazu bestimmt werden, ernsthaft über die Vaterrolle nachzudenken.

In Österreich wurde der Vatertag 1955 analog zum Muttertag eingeführt. Im Nachbarland wird er am zweiten Sonntag im Juni begangen. Väter erhalten kleine Geschenke. Auch zahlreiche andere Länder feiern einen Vatertag.

"Kirchliche Polemik gegen Herrentag nicht angebracht"

Meister sagte, wenn für den Vatertag ein anderer Termin gefunden sei, könne Christi Himmelfahrt als Feiertag wieder stärker in den Blick kommen. Der Himmel stehe als symbolischer Ort dafür, dass Gott allen Menschen nahe sei. Deshalb würden in den Kirchengemeinden an diesem Tag viele Gottesdienste unter freiem Himmel gefeiert.

Die Kulturbeauftragte Bahr wiederum forderte die Kirchen auf, die Tradition des Vatertages mit einzubinden: "Die kirchliche Polemik gegen den Herrentag ist nicht angebracht." Es gebe in der christlichen Tradition genügend Anknüpfungspunkte, um über die Rolle von Vätern und Müttern nachzudenken. Als Beispiel nannte sie den Josefstag, wie er etwa in Bayern und in Italien am 19. März begangen wird. Josef gilt in der katholischen Tradition als Schutzpatron der Handwerker und der Ehe.

Christi Himmelfahrt

Seit dem vierten Jahrhundert feiern Christen 40 Tage nach Ostern das Fest "Christi Himmelfahrt". Biblische Grundlage ist neben dem Markus- und Lukas-Evangelium das erste Kapitel der Apostelgeschichte. Dort steht, dass der auferstandene Jesus Christus vor den Augen seiner Jünger "aufgehoben" wurde: "Eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken." Himmelfahrt wird allerdings in der Theologie kaum noch wörtlich als Reise verstanden. Der Himmel ist danach kein geografischer Ort, sondern der Herrschaftsbereich Gottes. Wenn es im Glaubensbekenntnis heißt "... aufgefahren in den Himmel", bedeutet dies nach christlichem Verständnis, dass Christus "bei Gott ist".