Die geheime Herkunft des François Hollande

dpa/Ian Langsdon

Der neue französische Präsident François Hollande soll protestantische Vorfahren haben.

Die geheime Herkunft des François Hollande
Der neue französische Präsident tritt bescheiden auf und will ein "normaler" Präsident sein. Bis heute lebt er etwa in einer Mietwohnung. Eine neue Biographie deckt auf, dass François Hollande calvinistische Wurzeln hat.

Der Nachname des am 6. Mai gewählten französischen Präsidenten François Hollande deutet offensichtlich auf eine Abstammung von calvinistischen Glaubensflüchtlingen aus den Niederlanden hin. Das behauptet zumindest Serge Raffy in der Hollande-Biografie "Le Président - François Hollande, itérinaire secret"  (zu deutsch etwa: Der geheime Weg von Hollande). Die Lebensbeschreibung des Sozialisten ist in Frankreich in dieser Woche erschienen.

Mitte des 16. Jahrhunderts flüchteten Protestanten aus den Niederlanden vor der Verfolgung durch die Katholiken. In den Kirchenbüchern des Dorfes Plouvains im Departements Pas-de-Calais, nur wenige Kilometer von der belgischen Grenze entfernt, fand der Autor Spuren eines ersten "Hollande" aus dem Jahr 1569, der beim örtlichen Müller arbeitete. Plouvains gehörte damals zu den "Spanischen Niederlanden", deren südlicher Teil allerdings katholisch blieb. Bis ins 20. Jahrhundert verdienten sich die Hollande-Nachkommen als Kleinbauern mit Geflügelzucht ihren Lebensunterhalt.

Ein erster "Hollande" arbeitet als Müller

François Gérard Georges Hollande wurde am 12. August 1954 in Rouen in der Normandie geboren. Beide Elternteile von François Hollande sind Katholiken. Großvater Gustave ist Lehrer und bringt es zum Schuldirektor. Vater Georges ist Arzt in Rouen, Mutter Nicole arbeitet als Sozialarbeiterin. Der Vater kandidiert für die Rechtsextremen, die Mutter ist eine Anhängerin des Sozialisten François Mitterrand. Der junge François Hollande positioniert sich gegen den autoritären Vater, übernimmt die Werte der Mutter.

Dem Vater verdanke er, wie Hollande später einmal eingestand, dass er in den "Zaubertrank der Politik" gefallen sei. Aus seinen politischen Ambitionen machte er schon mit 14 keinen Hehl und erklärte vor Klassenkameraden, Präsident der Republik werden zu wollen.

Swatch statt Rolex

Vater Georges schrieb beide Söhne in katholischen Privatschulen ein. François besuchte in Rouen die Saint-Jean-Baptiste-de-La-Salle-Schule, die von den Mönchen geleitet wird. Bei Firmung und Kommunion macht der junge Hollande eifrig mit, aber die strengen Regeln der Mönche machen ihm zu schaffen. "Seine Eltern waren sehr katholisch", bestätigt Biograf Raffy, ein Journalist des "Nouvel Observateur". "Aber ich glaube, dass er von seinen protestantischen Wurzeln geprägt ist."

Ob es an den calvinistischen Vorfahren liegt, dass Hollande in seinem Lebensstil sehr bescheiden ist, bleibt unbeantwortet: Bis heute lebt er in einer Mietwohnung und legte sich erst nach dem Wahlgang auf Rat von Freunden neue Anzüge zu. Der Sozialist gewann die Wahl mit dem Versprechen, ein "normaler" Präsident sein zu wollen, im Gegensatz zum bisherigen "Bling-bling"-Präsidenten Sarkozy - Swatch statt Rolex.

Im Dezember bekannte Hollande gegenüber der katholischen Zeitung "La Vie": "Ich praktiziere keine Religion, aber ich achte alle Konfessionen. Meine Konfession ist es, keine zu haben." Die Muslime haben übrigens überwiegend Hollande gewählt, Katholiken und die protestantische Minderheit favorisierten mehrheitlich Sarkozy.

Ein hohes Staatsamt hatte in Frankreich zuletzt mit Lionel Jospin ein Politiker mit protestantischer Herkunft inne. Der spröde Sozialist, der sich selbst als protestantischen Atheisten bezeichnete, war von 1997 bis 2002 Premierminister unter dem Staatspräsidenten Jacques Chirac. Unter Jospin stieg Hollande 1997 zum einflussreichen Parteivorsitzenden auf.