Chinas Buchmarkt - Zwischen Markt und Zensur

Zwischen Markt und Zensur - Chinas Buchmarkt

Foto: epd-bild/Katharina Hesse

Chinas Buchmarkt - Zwischen Markt und Zensur
Zum Abschluss der Frankfurter Buchmesse wird der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu heute (Sonntag) mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Nach Büchern von Regimekritikern wie Liao Yiwu, Liu Xiaobo oder Ai Weiwei sucht man in Chinas Läden vergeblich. Denn der Buchmarkt ist staatlich kontrolliert. Den meisten Umsatz bringen Schul- und Kinderbücher sowie Lebenshilfe.

Ratgeber boomen in China. Titel wie "Wo finde ich einen Mann" oder "Welcher Wein passt zu welchem Essen" finden reißenden Absatz. Ansonsten können die Chinesen nicht unbedingt als Leseratten gelten. Während in Deutschland jedes Jahr fast 90.000 neue Bücher erscheinen, sind es in China rund 250.000 neue Titel - bei einer Bevölkerung von 1,3 Milliarden Menschen ist das nicht besonders viel.

Bücher unterliegen in China, wie auch Film, Fernsehen oder Zeitungen, einer strengen Zensur. Lediglich 581 Verlage dürfen publizieren und werden staatlich kontrolliert, ein knappes Viertel davon ist auf der Frankfurter Buchmesse vertreten. In Deutschland gibt es mehr als 2.000 Verlage.

Eine Besonderheit der Branche ist, dass die meisten Verlage ihre Titel nicht selbst herstellen, sondern bei sogenannten Kulturagenturen kaufen. "70, 80 Prozent der Bestsellerautoren werden von diesen Agenturen betreut", sagt Gong Yingxin vom Pekinger Büro der Frankfurter Buchmesse. "Sie wissen besser, was der Markt braucht und sie wählen die meisten Themen für Chinas Leser aus."

Staatsverlage zu bürokratisch

Chinas Verlage haben in den vergangenen Jahrzehnten in erster Linie die politischen Vorgaben erfüllt: Sie haben gedruckt, was ihnen aufgetragen wurde. Mittlerweile sollen sie marktwirtschaftlich arbeiten, kostendeckend, am besten gewinnbringend. Eine Herausforderung, die viele alleine nicht stemmen können. Deswegen steuern die Kulturagenturen seit einigen Jahren Ideen bei.

Diese privaten Firmen arbeiten wie ein Verlag, dürfen sich aber so nicht nennen. "Bei bestimmten Themen haben sie bessere Kontakte zu Autoren" sagt Liu Xin, der beim staatlichen Verlagshaus Zhigong Press arbeitet. "Manche Autoren wollen auch gar nicht mit uns Staatsverlagen zusammenarbeiten, wir gelten als ein wenig bürokratisch, die Kulturagenturen sind flexibler."

Keine Zeit zum Schmöckern

Das aber heißt nicht, dass die kleinen Agenturen mutiger und kritischer als die Staatsverlage sind. Denn Bücher mit heiklen Inhalten können in China nicht publiziert werden, egal, woher sie kommen. Themen wie Taiwan, Tibet oder das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens 1989 müssen verschwiegen werden.

Kritische Publizisten wie der Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo landen im Gefängnis. Oder sie verlassen das Land wie Liao Yiwu, der seit etwa einem Jahr in Deutschland lebt und an diesem Sonntag den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhält. Die chinesische Bevölkerung erfahre nichts über solche Autoren, sagt die Sinologin Martina Hasse. "Selbst beim Schriftstellerverband in Peking weiß keiner von Liao Yiwu und dem Preis, den er in Deutschland erhält."

Andere heikle Aspekte lassen sich die Verlage genehmigen. "Bei sensiblen Inhalten reichen wir die Bücher vor dem Druck bei der Zensurbehörde ein. Wir fragen nach, ob wir das so bringen können", erzählt Liu Xin vom staatlichen Verlagshaus Zhigong Press. "Alle anderen Bücher, die nicht heikel sind, drucken wir einfach so." Drei Viertel des gesamten Buchmarkt-Umsatzes werden ohnehin mit Schul- und Kinderbüchern gemacht. Der rasante Wandel des Landes scheint den Chinesen keine Zeit zum Schmökern zu lassen.