Altkanzler Schmidt will die EU nicht scheitern sehen

Altkanzler Schmidt will die EU nicht scheitern sehen
Bei der Verleihung des Westfälischen Friedenspreises verkniff sich Altkanzler Helmut Schmidt nicht nur das Rauchen, sondern warnte auch vor einem Scheitern der Europäischen Union.

Altbundeskanzler Helmut Schmidt und die Münchner Kinderhilfsorganisation "Children for a better World" sind am Samstag in Münster mit dem Westfälischen Friedenspreis geehrt worden. Die Auszeichnung ist in diesem Jahr mit insgesamt 100.000 Euro dotiert. Der alle zwei Jahre vergebene Westfälische Friedenspreis würdigt Einzelpersonen und Institutionen, die ein Vorbild für Ausgleich und Frieden in Europa und in der Welt sind. Vergeben wird die Ehrung von der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe. Das Preisgeld wird von Unternehmern aus der Region Westfalen und Lippe gestiftet.

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Helmut Schmidt erinnerte in seiner Dankesrede an große politische Konflikte der Weltgeschichte. Zugleich warnte der 93-Jährige vor einem Scheitern der Europäischen Union und kritisierte eine "national egoistische Sichtweise" auch in Deutschland. "Ich halte es für möglich, dass die europäischen Staaten wieder an ihren alten Machtspielen zwischen Peripherie und Zentrum scheitern", sagte Schmidt. Deutschland müsse sich für die europäische Einheit einsetzen und sich dabei an die Staaten erinnern, die Deutschland in den schwierigen Zeiten der 40er und 50er Jahre geholfen haben. "Deutschland darf nicht für den Zerfall der EU verantwortlich werden."

Schmidts Wirken reicht über die Kanzlerschaft hinaus

Laudator Reinhard Zinkann von der Wirtschaftlichen Gesellschaft würdigte Schmidt als einen "der bedeutendsten Wegbereiter des friedlich geeinten Europa". Der Altkanzler stehe in einer Reihe mit den großen Europäern Valéry Giscard D'Estaing, Helmut Kohl und Václav Havel, die ebenfalls mit dem Preis des Westfälischen Friedens ausgezeichnet wurden.

Schmidts Beitrag für den europäischen und weltweiten Frieden beschränke sich nicht auf die acht Jahre seiner Kanzlerschaft, betonte Zinkann. Bereits in den 60er Jahren habe er auf drei zentrale Visionen hingewiesen: Bewahrung des Friedens, Sicherheit und Sicherung der Freiheit, friedliche Durchsetzung des Selbstbestimmungsrechts für das ganze deutsche Volk. Später habe sich Schmidt zusammen mit dem französischen Staatspräsidenten Valérie Giscard D'Estaing für die Grundlagen einer gemeinsamen europäischen Währung und für eine stärkere politische Legitimation des Europäischen Parlaments starkgemacht.

Schmidt reiht sich in prominente Reihe ein

Der Verein "Children for a better World" wurde von rund 30 Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Wirtschaft gegründet. Bei dem Kinderhilfsprojekt entscheiden Kinderbeiräte mit über die Vergabe von Fördermitteln. Seit der Gründung 1994 wurden mehr als 1.200 soziale Projekte weltweit mit 25 Millionen Euro Spendengeldern unterstützt.

Der Arzt, Kabarettist und Publizist Eckart von Hirschhausen, würdigte in seiner Laudatio das Engagement der Kinder und Erwachsenen. Ihre Energie und ihre Kreativität stifte Frieden in der Welt und führe vielen Erwachsenen vor Augen, wie viel durch persönlichen Einsatz bewegt werden könne.

Der Preis war 1998 zum 350. Jubiläum des Westfälischen Friedens gestiftet worden. Zuletzt ging die Auszeichnung vor zwei Jahren an den Dirigenten Daniel Barenboim und sein Orchester für ihr Engagement zur Völkerverständigung im Nahen Osten. Auch der frühere UN-Generalsekretär Kofi Annan zählt zu den Preisträgern.