Mehr Nachfrage als Lebensmittel bei Tafeln

Mehr Nachfrage als Lebensmittel bei Tafeln

Den Tafeln in Deutschland machen rückläufige Lebensmittelspenden zu schaffen. "Es gibt einen spürbaren Rückgang", sagte Jochen Brühl, Vorsitzender des Bundesverbandes der Tafeln, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Montag). Handelsunternehmen versuchten, weniger zu verschwenden und ihre Ware kurz vor dem Mindesthaltbarkeitsdatum noch zu verkaufen.

Prinzipiell habe er dafür zwar Verständnis, sagte Brühl. Die Tafeln treffe das aber in der herausforderndsten Situation seit ihrer Gründung vor fast 30 Jahren: "Wir verzeichnen seit Jahresbeginn 50 Prozent mehr Kundinnen und Kunden." Derzeit würden rund zwei Millionen Menschen regelmäßig mit Lebensmitteln unterstützt. Jede dritte Tafel habe bereits einen Aufnahmestopp verhängen müssen. "Der Andrang wurde mancherorts zu groß. Wir können ja nur das, was wir gerettet oder gespendet bekommen haben, verteilen", sagte Brühl.

Durch die gestiegenen Lebenshaltungskosten infolge der Energiekrise kämen nun auch Menschen zu den Tafeln, die vor der Krise halbwegs finanziell über die Runden gekommen sind. Auch das Bürgergeld werde da keine Abhilfe schaffen. "Die Erhöhung der Regelsätze ist unzureichend. Mit etwa 50 Euro mehr pro Monat können Sie nicht mal die Inflation ausgleichen." Deutschland brauche eine soziale Zeitenwende, forderte Brühl.

Ende November hatten Bundestag und Bundesrat die Bürgergeld-Reform beschlossen. Das Bürgergeld soll die bisherigen Hartz-IV-Leistungen ablösen. Die Regelsätze für Erwachsene steigen zum Jahreswechsel um 53 Euro.