Tacheles: Noch immer Vorurteile zwischen Ost und West

Tacheles

epd-bild/Jens Schulze

"Zwischen Versöhnung und Entfremdung: Wie vereint ist Deutschland?" ist das aktuelle Thema der evangelischen Talkshow "Tacheles" in der Marktkirche in Hannover. Der nordelbische evangelische Bischof Gerhard Ulrich warb dafür, Vorurteile abzubauen.

Tacheles: Noch immer Vorurteile zwischen Ost und West
Deutschland hat mit Joachim Gauck einen Bundespräsidenten, der aus Ostdeutschland kommt. Und auch die Kanzlerin wurde dort geboren. Doch ist die Wiedervereinigung in Deutschland gelungen? Diese Frage war Thema der evangelischen Talkshow "Tacheles". Ausgestrahlt wird die aufgezeichnete Sendung am Sonntag, 15. April, um 13 Uhr bei Phoenix.

Der Titel der Sendung lautet: "Zwischen Versöhnung und Entfremdung: Wie vereint ist Deutschland?" Gäste am roten Tisch in Hannover waren der Bischof der Nordelbischen Kirche, Gerhard Ulrich, die ehemalige Beauftragte für die Stasi-Unteralgen, Marianne Birthler, der Publizist Wolfram Weimer und der Fraktionsvorsitzende der Linken im sächsischen Landtag, André Hahn.

Die evangelische Talkshow "Tacheles" zum Thema " Zwischen Versöhnung und Entfremdung: Wie vereint ist Deutschland?" ist in der Marktkirche Hannover aufgezeichnet worden. Zu sehen ist die gesamte Debatte am Sonntag,15. April, um 13 Uhr auf Phoenix. Weitere Informationen zu der Sendung finden Sie auf der Internetseite www.tacheles.tv. Die Talkshow ist eine Produktion der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der hannoverschen Landeskirche und der Klosterkammer Hannover. Die nächste Sendung wird im Juni aufgezeichnet. Dann diskutieren die Gäste über "Hauptsache mehr – Wirtschaftswachstum als einzige Leitgröße der Politik" mit Bischof Wolfgang Huber und Manager Utz Claassen.

Einig waren sich die Gäste darin, dass es noch einiges zu tun gibt, bis die Wiedervereinigung wirklich vollzogen ist. "Wir in Ost und West, wir reden einfach noch zu wenig miteinander", sagte  André Hahn. Dennoch gab es auch unterschiedliche Ansichten – zum Beispiel darüber, ob die DDR als Unrechtsstaats bezeichnet werden darf oder nicht.

So betonte Marianne Birther, dass die DDR kein gutgemeinter Versuch gewesen sei, der im Lauf der Jahre pervertierte. "Es war das Konzept der Diktatur", auch wenn nicht alles Unrecht war, was geschah. Für den Linken-Politiker Hahn hingegen ist es falsch, die DDR als Unrechtsstaat zu bezeichnen. Das Problem sei, dass dieses Wort immer mehr zum politischen Kampfbegriff werde. "Viele Menschen würden das auch als Angriff auf ihre Biographie auffassen", so Hahn. Darin liegt für Bischof Ulrich die Schwierigkeit. Es falle vielen Bürgern schwer, dieses Schlagwort von der eigenen Person fernzuhalten. "Der nächste Schritt wäre nötig, nämlich in die Auseinandersetzung zu gehen und sich die Geschichten erzählen zu lassen."

Bischof Ulrich: "Jeweils mit den Augen der anderen sehen"

Auch wenn die DDR, wie der Publizist Weimer in der Sendung sagte, "einer ganzen Generation ihre Träume geraubt" hat, hat diese (heutige) Republik ein "großes Herz. Das haben wir auch in der Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit unter Beweis gestellt." Trotzdem gehöre zur Versöhnung die Reue, die Buße und das Bekennen der Schuld. Deshalb erwartet Weimer von der Linkspartei, dass sie, "was die Brutalität angeht", auf die Opfer zugeht und sich dafür entschuldigt. Hahn betonte hingegen, dass Linke - oder vorher PDS - dies getan hätten. "Man muss mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein." Aber man müsse es zumindest zur Kenntnis nehmen.

Autor:in
Keine Autoren gefunden

Dass so manches Vorurteil auf beiden Seiten noch heute besteht, hat auch Bischof Ulbrich in den vergangenen Jahren erlebt. Er arbeitet mit an der Verschmelzung von zwei ostdeutschen Landeskirchen in Mecklenburg-Vorpommern mit einer westdeutschen Landeskirche in Hamburg und Schleswig-Holstein zur Nordkirche. Dabei habe es die Sorge gegeben, dass die große Westkirche die kleineren Kirchen schluckt. Aber auch er habe Vorurteile gehabt, so Ulrich: "Das Vorurteil, ihr habt doch Kirche nur privat gestaltet." Entscheidend sei bei den Verhandlungen gewesen, "dass wir uns geübt haben, jeweils mit den Augen der anderen zu sehen". Dazu gehöre auch, dass nicht nur von der glorreiche Rolle der Kirche 1989 geredet werde, "wir sollten auch zu unseren Brüchen stehen."